Prison

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„Okay." sagte ich nach einer Weile der Stille. Er blickte mich wieder überrascht an. Er wiederholte stumm mein Okay. „Ich habe akzeptiert, dass du mir es nicht sagen kannst, weil du es meiner Mutter versprochen hast." erklärte ich ernst. Er lächelte dankbar. Dann schloss er mich in eine Umarmung. „Ich hab dich lieb (YN)." flüsterte er. „Ich dich auch." murmelte ich in seine Schulter.

„Aber stell dich darauf ein, dass ich selber nach meiner Vergangenheit suche." dachte ich zu meinem vorletzten Satz. Ich hatte eingesehen, dass mich meine Vergangenheit immer einholen würde, wenn ich mich ihr nicht stellte. Die Alpträume würden niemals aufhören, wenn ich nichts tat. Jimin verschwieg es mir, also musste ich selbst suchen.

Kaum war Jimin gegangen, setzte ich mich an den Schreibtisch und machte mir Notizen von all den Erinnerungsteilen die ich hatte. Ich verbrachte Stunden damit, sie in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen. Doch für mich waren ein paar Sachen immernoch nicht klar.
Wie konnten wir aus der Einrichtung entkommen? 
Was ist danach passiert?
Und warum wurden überhaupt Experimente an uns gemacht?

Ich kaute auf meinem Stift herum und überflog meine aufgeschriebenen Gedanken. Dann fiel mir ein, dass ich mit Wonshik sprechen konnte, wenn ich wollte. Ich musste nur zum Gefängnis gehen. Ich überlegte nicht lange und brach auf.

In meiner Brust konnte ich einen Druck spüren. Es war mir ungeheuer ihn zu treffen, aber ich brauchte Antworten. Und die konnte ich nur von ihm bekommen. Ich saß in einem Raum mit lediglich einem Tisch, zwei Stühlen und einer Kamera in einer Ecke an der Decke. Ich kaute angespannt auf meiner Unterlippe herum. Von weitem konnte ich das Kettenrasseln von einem Gefangenen hören. Nach einer ewigen Minute ging die Tür auf und Wonshik trat mit einem Wärter hinein.

Er sah ziemlich massakriert aus, als hätte er einiges einstecken müssen. Unter anderem ein blaues Auge schmückte sein Gesicht. Er setzte sich mit einem schwachen Lächeln vor mich und ließ sich die Handschellen am Tisch festmachen, so konnte er mich nicht plötzlich angreifen. Er legte leicht den Kopf schief und meinte leise:„Ich hätte ja wirklich jeden hier erwartet, aber nicht dich. Also muss es einen Grund geben, nicht wahr?" Ich schob ihm die Zeichnung auf meinem Handy zu und fragte:„Wer ist der alte Mann?"

Er sah kurz auf mein Handy, dann zu mir. Ein Lächeln schmückte sein Gesicht und er lehnte sich zu mir vor. „Das heißt, du erinnerst dich an ihn? Dabei warst du noch so klein." Er kicherte vor sich hin. „Was weißt du über ihn oder die Organisation?" fragte ich. Er lehnte sich mit einem blöden Lächeln zurück und antwortete:„So gut wie nichts. Das Einzige was ich weiß ist, dass es die Einrichtung nicht mehr gibt. Sie wurde damals bis auf die Grundmauern nieder gebrannt." „Was war deine Rolle dabei?" „Ich? Der Alte hatte mir befohlen euch zu erschießen. Er sagte mir, ihr seid Monster und es sei meine Aufgabe euch zu erschießen, ganz einfach." „Lügner. Ich weiß genau, dass er sagte, dass du mich nicht töten darfst. Ich solle meine Kräfte nicht entwickeln durch einen Schuss in mein Herz. Was hat es damit auf sich?"

Er lachte wieder. „Süße, das ist sehr lange her. Ich habe viele Aufträge angenommen. Es ist schwer dich darunter zu finden." „Und trotzdem konntest du dich an mich erinnern, als ich den Wald erwähnt hatte. Ich glaube nicht, dass du dich nicht erinnerst." flüsterte ich und sah vorsichtig zu dem Wächter der stumm dastand und auf die gegenüberliegende Wand starrte.

„Keine Sorge, er steht auf meiner Seite. Jetzt wo du es erwähnst, ja ich erinnere mich sehr gut an dich und deine Eltern. Deine Mutter war eine sehr schöne Frau. Dein Vater einer der Wissenschaftler. Und du, du warst ein einfaches Kind. Der Alte sagte mir, ich solle euch erschießen, um Geheimnisse zu bewahren die für die Menschheit zu unbegreiflich sind." „Er meinte, dass du einen Menschen retten würdest, wenn du mich erschießt." „Ohh ja...Ich würde dich damit retten. Aber er hatte unrecht. Du bist trotzdem ein Monster geworden, ein Werwolf." „Das war aber nicht meine Schuld. Es war ein Unfall. Ich war mein Leben lang davor ein Mensch. Oder vielleicht auch nicht? Sag es mir, bitte."

„Oh, du bittest mich um etwas? Mich, der der deine Familie getötet hat. Der sie kaltblütig erschossen hat. Du musst ja wirklich verzweifelt sein. Weißt du was...Ich habe nichts mehr zu verlieren. Meine Tochter ist tot und ich sitze bis an mein Ende hier drin. Ich zeige es dir einfach." schlug er vor, dabei deutete er auf meine Hände.

Ich wusste nicht, ob er blöffte. Aber er sah mich ernst an. „Na los, tu es. Du hast es letztes Mal geschafft und mich damit beinahe verrückt gemacht. Ich möchte mich revanchieren und dir jetzt zeigen, was ich getan habe. Das ist doch nur fair, oder? Keine Sorge, die Kamera ist abgestellt. Keiner wird je davon wissen." meinte er grinsend. Ich hatte vergessen, wie wenig ich ihn leiden konnte. Aber ich brauchte die Informationen.

Ich atmete tief durch und legte meine Finger an seinen Nacken. Ich blickte ihm fest in die Augen. Doch was ich sah, war Entschlossenheit. Er nickte mir einmal zu. Ich ging seinem stillen Wunsch also nach und bohrte meine Krallen in seine Nervenbahnen, um seine Erinnerungen zu sehen. Er sog scharf die Luft ein und schloss seine Augen. Ich schloss ebenfalls meine Augen. Wir begaben uns auf die Reise in seine Erinnerungen.

Hier bekam ich endlich meine Antworten.

...

ChangesWhere stories live. Discover now