elefantenkuss

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Und sie stand alleine vor dem Spiegelbild und sprach in die Stille.

Was bringt Dunkelheit?

Was bringt Dunkelheit, wenn man, um sie zu sehen, doch Licht braucht?

Was bringen Zahlen, wenn man nicht rechnen kann?

Was bringen Buchstaben und Bücher, wenn sie doch eh niemand liest und selbst wenn, nicht versteht?

Was bringt dieses Gespräch, wenn mich doch eh niemand hört?

Was bringt meine Schönheit, wenn doch eh niemand da ist, der sie schön finden könnte?

Doch ihr Spiegelbild antwortete:

Ich.

Ich bin da.

Also sind wir schon zu zweit - du und ich.

Du musst es nur zulassen, dich nur selber schön finden.

Und vielleicht, vielleicht gibt es irgendwo da draußen jemanden, der dich beobachtet, jemanden, der dich wunder-, wunderschön findet und sich nur nicht traut, dir das zu sagen.

Denn: weißt du noch, damals in der Wüste, als alles dunkel war und plötzlich das Unmögliche möglich wurde und ein letzter Sonnenstrahl den Weg durch all die Wolken fand und genau auf zwei Elefanten fiel, die sich küssten?

Denkst du die wussten, dass du damals auf dem Hügel standest und sie beobachtet hast?

Denn vielleicht gibt es ja immer einen unsichtbaren Beobachter und vielleicht ist es gerade gut, dass du nicht weißt, wer das ist.

Und es schien, als würde die Dunkelheit und die Bücher in den Regalen rings um und auch die Bäume draußen vorm Fenster flüstern:

Ja. Ja, du weißt es vielleicht nicht, aber ja, den gibt es.

von Schall und RauchWhere stories live. Discover now