(2013: Rückblick 24)
Pov Dima
Die Stimmung zwischen mir und Julez war angespannt. Auch Salah und seine Männer merkten das, sagten jedoch nichts. Mehrmals am Tag versuchte ich meinen ganzen Mut zusammen zu nehmen und mit ihm zu reden, aber immer wenn ich kurz davor war entschied ich mich um.
Trotz Schweigens lud sich die Stimmung immer weiter auf. Akay war der erste der dem Druck nicht mehr stand hielt und die Blase zum Platzen brachte.
„Hört mal Jungs, ich weiß ja nicht, was zwischen euch vorgefallen ist, aber könnt ihr das nicht einfach beiseitelegen? Seit ihr hier angekommen seid versucht ihr euch mit Blicken zu töten."
„Ach echt?", gab Julien sarkastisch zurück.
Ich schwieg. Ich wusste nicht, was ich darauf hätte antworten sollen.
Akay der neben mir stand senkte seine Stimme und löcherte mich mit Fragen, um aus mir herauszubekommen was vorgefallen war.
Ich schüttelte bloß den Kopf. Es wäre mir nichts lieber gewesen, als mit jemandem reden zu können, doch Akay war für diese Art des Gespräches einfach nicht geeignet. Generell war das niemand der in diesem Raum anwesend war.
Gegen Mittag hielt ich die gereizte Stimmung nicht mehr aus und ging hinaus vor die Tür. Ein paar Straßen weiter stand ein kleines Café zu dem ich gehen wollte. Ich holte mein Portmonee aus meiner Tasche um zu sehen ob ich genügend Bargeld dabei hatte, dabei fiel mir die Karteikarte auf, die ich dort vor einiger Zeit platziert hatte.
Dennis Sand stand darauf. Grübelnd drehte ich die Karte zwischen meinen Fingern während ich den Weg entlang ging.
Ich fischte mein Handy aus meiner Hosentasche und googelte seinen Namen. Es war nicht viel, was es über ihn zu finden gab, aber er hatte schon einige Artikel veröffentlicht.
Ich klickte den ersten an:
Horror Mafia tyrannisiert Zivilisten
Darunter war ein schwer erkennbares Bild von Salah abgebildet.
Ich zog die Augenbrauen hoch. Schnell überflog ich den Text. Er war wohl schon etwas älter und handelte von den Jahren, als Salah neu mit seiner Gang hier her gekommen war. Der Inhalt selbst war eher ernüchternd und klang sehr stark nach einer ausgedachten Geschichte. Beweise oder irgendeine Art von Belegen die die Wahrheit dieses Artikels bezeugen konnten gab es nicht.
Ich warf nun auch einen Blick auf seine restlichen Artikel. Sie waren sehr überschaubar und nach kurzem recherchieren stellte ich fest, dass wohl alle von Clans und Großfamilien in Deutschland handelten. Es war wohl sein Spezialgebiet auf das er sich fixiert hatte. Trotz der geringen Anzahl an verfassten Berichten schien er wohl einer der Top Journalisten der Zeitung zu sein. Neben seinem Ansehen als Journalist hatte er auch noch einige Auszeichnungen erhalten für seine detaillierten Recherchen und Aufdeckungen im Mafia Milieu.
Mittlerweile hatte ich das Café erreicht und ich setzte mich mit einem Becher dampfendem Espresso an einen Tisch vor dem Gebäude und widmete mich wieder meinem Handy.
Salah Saado, der Mann der tausende Menschenleben auf dem Gewissen hat.
Salah, der gefährlichste Mafiaboss Deutschlands.
Wie am Montag bekannt wurde lastet auf seinen Schultern neben den unzähligen Straftaten nun auch Mord. Im Herzen des Mafiareviers durfte die Polizei ein Massaker bewundern, dass so zuvor noch nie gesehen wurde. Kein Mensch mit Verstand ist in der Lage sich dieses Szenario auch nur auszumalen. Eine ganze Existenz einer Großfamilie wurde ausgelöscht. Kaltherzig wie Tiere abgeschlachtet liegen die Körper der Gangmittglieder, die den Skorpionen angehörten, am Boden in ihren eigenen Blutlachen. Die einzigen logischen Tatverdächtigen: Salah Saado und seine Gang - die jahrelangen Rivalen der Skorpione. Dennoch hüllt sich die Polizei in Schweigen.
"Die Täter hinterließen keine Spuren", kommentierte der leitende Polizeichef ihre Ermittlungen. Während Salah frei herumläuft, tappt die Polizei weiterhin im Dunkeln.
Der Artikel ging noch weiter, doch ich hatte genug davon. Dieser Dennis Sand schrieb auf die theatralischste und unparteiischste Art die ich je gelesen hatte. Als objektiver Berichterstatter hatte er mit seinem Schreibstil, der einem Geschichtenerzähler glich, nichts bei der Presse zu suchen. Doch allem Anschein nach war diese Art sehr beliebt bei seinen Lesern und es schien auch niemanden zu geben, der das Geschriebene anzweifelte. Er manipulierte hier offenbar die Masse und ließ sie glauben Salah hätte die Skorpione ermordet.
Ich blickte von meinem Handy auf. Wie konnten wir so etwas nicht mitbekommen haben? Dann fiel mir ein, dass wir genug mit den Blue Wings beschäftigt gewesen waren, als uns um Zeitungsberichte zu kümmern.
Ob dieser Herr Sand auch davon schon etwas mitbekommen hatte? Ich gab Blue Wings als Schlagwort ein und klickte den ersten Link an.
Konkurrenz rückt nach. Rache und Selbstjustiz seitens Blue Wings.
Nachdem das Mordmassaker an den Skorpionen von der Polizei zu den Akten gelegt wurde, scheint eine neue Gang die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ihr Name: Blue Wings
Eine Gang aus jungen Leuten die nach dem Versagen der Polizei nun zum Mittel der Selbstjustiz griffen. Ihr Ziel: Rache an Salah.
Auch seine Männer scheinen den Gegenwind zu spüren. Auf den Straßen erblickt man kaum noch einen von ihnen...
Nun völlig entgeistert starrte ich die Buchstaben an. Was zum Teufel!? Dieser Journalist betrieb eine regelrechte Hetzte gegen Salah. Ohne sich die Mühe zu machen die Sache auf ihre Wahrheit zu überprüfen stempelte er Salah als Mörder ab und niemand schien dies in Frage zu stellen.
Es war nichts Neues, dass Medien und Bevölkerung eine gewisse Grundabneigung gegenüber Großfamilien und Gangs hatten. Doch seltsam an dieser Sache war, dass Dennis Sand sich ganz auf die Seite der Blue Wings stellte. Es gab nicht einen Satz in dem er ihre rücksichtslosen Straftaten erwähnte.
Wie kam er überhaupt auf die Idee Blue Wings wolle die Skorpione rächen? Wer hatte ihm das gesagt? Hatte er sich das einfach ausgedacht? Und Selbstjustiz? Wirklich?
Alles was die wollten war alle Konkurrenten schnellst möglichst aus dem Weg zu schaffen.
Sollte ich den Jungs erzählen was über uns geschrieben wurde? Aber auf der anderen Seite sollten wir uns erstmal auf reale Probleme konzentrieren, bevor wir uns irgendwelche inkompetenten Journalisten vorknöpften.
Fast wollte ich Julien anrufen um ihn nach seiner Meinung zu fragen, doch dann fiel mir unsere momentane Situation wieder ein und ich ließ es sein.
Diesen Abend schliefen wir in Salahs Apartment. Es war groß genug und er bestand darauf. Er meinte es sei zu gefährlich ohne Schutz in Juliens Haus zu wohnen.
Mein Zimmer war klein und außer einem Bett und einem Kasten der leer war befand sich nichts im Raum. Ich war damit zufrieden. Das einzige was mich störte war, dass ich nichts von meinen Sachen dabei hatte und so lag ich mit meinem Gewand, das ich schon den ganzen Tag getragen hatte im Bett, was ich als äußerst unangenehm empfand.
Plötzlich klopfte es an der Tür und bevor ich antworten konnte öffnet sie sich schon die Tür und Julez steckte vorsichtig seinen Kopf herein.
Als ich ihn nicht sofort wieder wegschickte kam er ganz herein und warf mir eines seiner T-Shirts zu.
„Ich hab vergessen dir zu sagen, dass wir hier bleiben. Ich dachte du könntest ein sauberes
T-Shirt zum Schlafen gebrauchen."
„Danke", brachte ich nur hervor.
Er drehte sich zur Tür und legte seine Hand auf den Türgriff, als er sich nochmal mir zuwandte.
„Können wir reden?", brache es aus ihm heraus.
Panik stieg in mir hoch. Eigentlich wusste ich nicht was ich mit ihm bereden sollte. Ich wusste nicht wie ich mein Handeln rechtfertigen könnte. Trotzdem setzte ich mich auf und gab ihm mit einem Nicken zu verstehen, dass er sich auch setzten sollte. Er ging meiner stillen Bitte jedoch nicht nach und blieb mitten im Raum stehen.
„Was hatte der Kuss zu bedeuten?", fiel er auch schon direkt mit der Tür ins Haus.
Na ganz toll. Er hatte also nicht vor das ganze langsam an zu gehen.
VOUS LISEZ
Started from the Bottom
FanfictionSunny glaubt seine Rapkarriere sei nach der Analyse von Juliensblog nicht mehr zu retten und ertrinkt in Selbstmitleid. Später boyxboy (julienxsunny) Alles in dieser Geschichte ist frei erfunden
