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Ambar

Meine Lippen lagen auf seinen, während ich die Augen zusammenkniff und die jubelnden Geräusche der anderen im Hintergrund wahrnahm.
,,Oho bro!" hörte ich Mike Lachen.
Ich wollte so sehr seinen Blick sehen. Ich wollte Wut und Eifersucht in seinen Augen sehen.
Plötzlich drehte mich der Typ um und presste mich in die Ecke des Pools, seine Hände lagen auf meinen Hüften. Ich hatte unzählige Typen bis jetzt geküsst, manche waren mir komplett fremd, aber noch nie habe ich mich so unwohl wie heute gefühlt.
Er war hübsch, keine Frage, er war auch gepflegt und ich hatte nichts an dem Geschmack von Wodka in seinem Mund auszusetzen.
Aber wieso fühlte es sich so verdammt falsch an?
Plötzlich hörte ich ein Planschen ins Wasser und keine Sekunde später wurde der Braunhaarige von mir gerissen. Ich öffnete benebelt vom Alkohol die Augen und sah Elias's Wut-gebranntes Gesicht.
Mit herausstechenden Adern am Hals gab er dem Typen eine Faust ins Gesicht, woraufhin Mike versuchte da zwischenzugehen. Ich hörte wie Mandy geschockt schrie und Hazel sich beschwerte.
Elias schubste Mike mit einer Handbewegung weg und schaute dann zu mir.

Ich biss mir unschuldig auf die Lippe, doch an seinem wütenden Gesicht änderte sich nichts.
Seine dunklen Augen fixierten mich mit so einer Kraft, dass meine Beine wackelig wurden und ich mich noch mehr gegen den Beckenrand drückte.
Ich wusste dass, das was ich gemacht hatte ganz und Harnsicht das richtige war, doch er hatte er trotzdem verdient. ,,Alter gehts noch?" hörte ich Hazel schreien, als Elias mich plötzlich ruckartig am Arm packte und aus dem Pool zog. Ich schluckte nervös und schaute dann zu Mandy, die mich wütend taxierte. Ich zwang mich zu einem Grinsen, obwohl ich keinerlei Kraft mehr dazu hatte.
Der Alkohol ließ mich unüberlegte Sachen machen und ich war verdammt müde, obwohl ich heute so energisch war.
Ich hatte ein bedrückendes Gefühl im Magen.

Elias's Hand umfasste fest und bestimmt mein Handgelenk und er schleifte mich in meinem Bikini aus dem Raum. Ich hörte sein schnelles und wütendes Atmen im Flur, als er mich in sein Zimmer zog und mich endlich losließ.
Ich hatte das verlangen über mein Handgelenk zu streichen, doch ich wollte ihm nicht zeigen, dass es weh getan hatte. Er schlug die Tür zu und stemmte seine Hände dran ab. Ich sah wie sein muskulöser Rücken sich bei jedem Atemzug von ihm bewegte.
Er sah aus wie ein Werwolf, der kurz davor war sich zu verwandeln.
Ich schaute mich betrunken um, weil ich mich in der Situation nicht besonders wohl fühlte, in einem Bikini. Meine zitternden Hände griffen zu einem Pulli auf seinem Bett und ich zog es mir drüber.
Ich sah wie Elias sich versuchte zu beruhigen, doch es schien nicht zu funktionieren, denn er drehte sich mit zusammengezogen Augenbrauen um.
,,Warum?" fragte er ruhig, doch es machte mir mehr Angst, als wenn er schreien würde.
Er sah so verdammt wütend aus. Ich hatte ihn oft Sauer gesehen, doch das war echt die Endstufe.
,,Weil ich Lust drauf hatte." ich zuckte mit den Schultern, doch wurde plötzlich gepackt und gegen die Wand gepresst. Ich keuchte auf und schaute in seine Augen, die mir in die Seele schauten.
,,WEIL DU LUST DRAUF HATTEST?!" schrie er plötzlich Lauthals und ich zuckte zusammen.
Ich legte meine Hand sofort auf seinen Mund, damit er aufhörte zu schreien.
,,Beruhige Dich! Wenn Du irgendwelche Betreuer weckst, sind wir alle dran!" zischte ich, doch er schlug meine Hand weg und drückte mich noch mehr an die Wand. ,,SAG MIR WIESO DU DAS GEMACHT HAST!" Brüllte er und ich atmete aus.
,,WEIL ICH LUST DRAUF HATTE!" Kreischte ich zurück, obwohl ich gerade noch gesagt hatte, er solle leise sein.
,,DU KÜSST JEMANDEN VOR MEINEN AUGEN, WEIL DU LUST DRAUF HATTEST?!" brüllte er, wobei mir der Alkohol Geruch in die Nase stieg.
Er hatte bloß eine Mische getrunken und war nicht mal ansatzweise angetrunken, während ich den Alkohol ganz deutlich in meinem Körper fühlte.
Seine Kiefer war so verdammt angespannt.
,,JA! WO IST DAS PROBLEM?! DU HAST DOCH AUCH VORHIN WAS WEISS ICH WAS MIT MANDY GEMACHT!"
Er schaute mich verwirrt an und löste sich langsam von mir, weshalb ich ihn erwartend anschaute.
Ich wollte eine Reaktion sehen.
Alles in mir schrie danach, die Antwort zu wissen, ob sie was hatten.
,,Deswegen hast Du ihn geküsst? Weil Du dachtest ich hätte mit ihr gefickt?" sagte er ungläubig und ich biss die Zähne zusammen.
Was sollte ich sagen? Dass ich ihm nicht deswegen geküsst hatte oder die Wahrheit?
Seine Augen wurden groß, als ich nicht antwortete.
Er schritt ein weiteres Mal auf mich zu und schaute mir dann in die Augen.
,,Du bist so armselig! Ich hatte nichts mit ihr. Gar nichts! Weißt Du auch wieso?! Weil ich während sie mich versucht hat, ins Bett zu bekommen daran gedacht habe, wie Du unten mit Deinen großen Augen auf die Tür starrst und auf mich wartetest!" raunte er mir mit einem enttäuschten Blick ins Gesicht. Ich schluckte und Übelkeit übernahm mich.

,,Und wieso ignorierst Du mich dann unten?" kam es ungläubig von mir, doch ich war davon selbst nicht überzeugt. ,,Genau wegen dem, was gerade passiert ist. Weil ich weiß, dass ich für Dich jedes Mädchen was mich versucht ins Bett zu bekommen liegen lassen würde, während ich Dich nicht mal ansatzweise interessiere." hauchte er und ließ schließlich von mir ab. Er schaute mich mit so einem Blick an, dass mir schwindlig wurde und der ganze Alkohol mit einem Mal hochkam.
In seinen Augen lag Verabscheuung, Enttäuschung und... Hass. Der ausschlaggebende Punkt, weshalb ich meine Hand erschrocken auf meinen Mund presste und geradewegs aufs Klo rannte.
Was für eine Scheiße hatte ich bloß getan?
Warum musste ich so verdammt dumm sein?
Und wieso nahm mich das ganze so sehr mit?!

Ich stemmte mich über die Toilette und kotzte den ganzen Alkohol wieder raus, während ich Elias's Blick in meinem Rücken spürte.
Als ich auch das letzte Bisschen ausspuckte, schaute ich mit verzogenem Gesicht auf mein erbrochenes.
Alle Gefühle überkamen mich auf einmal und ich presste meine Augen zusammen, um es zu verdrängen, doch sobald mir die hasserfüllten braunen Augen wieder in den Sinn kamen, schluchzte ich auf und fing an zu heulen.
Ich war ein Mensch, der so selten heulte, dass es zu prämiere wurde, falls ich mal wirklich weinen musste. Ich hörte die Schritte von Elias hinter mir und versuchte mich schnell zu raffen und aufzustehen, doch ich konnte mir ein weiteres Schluchzen nicht verkneifen, als ich auf den Beinen war. Ich bewegte mich zitternd zum Waschbecken, während ich Elias's Blick auf mir spürte.
Mit zitternden Händen spülte ich mir den Mund aus, bis ich plötzlich die Hand von Elias auf meinem Rücken spürte und all meine Hemmungen weg waren. Ich musste mich nicht schämen, einen Gefühlsausbruch zu haben, denn es war nur Elias, der dabei war. Er würde es nicht ausnutzen, mich schwach zu sehen. Er war nicht wie Dean.
Ich drehte mich zu ihm und schaute ihn mit verheulten Augen an, während er mich unwissend was er tun soll anschaute.
Er hatte mich noch nie heulen sehen und erst Recht nicht so schwach.
,,Elias." murmelte ich in Tränen aufgelöst und er strich mir überrumpelt über die Wange, doch ich schmiss mich bereits in seine Arme.
,,Hab ich was Falsches gesagt?" flüsterte er verwirrt und strich mir beruhigend über den Rücken.
Und wieder konnte er nicht sauer auf mich bleiben.

Es kam keine Antwort meinerseits. Ich heulte mich nur in seinen vertrauen Armen aus, atmete nur seinen himmlischen Duft ein und genoss das Kribbeln in meiner Bauchgegend, als er seine Arme fest um meine Taille schlang.
,,I-ch bin ein schlechter Mensch." hauchte ich nasal, weshalb er sich von mir löste und mich zurück ins Zimmer zog.
,,Setz Dich." sagte er und ich tat, was er wollte und ließ mich auf sein Bett fallen.
,,Willst Du was trinken?" es kam mir so vor, als wüsste er nicht was er machen sollte.
Er war es nicht gewohnt, dass ich meine Gefühle zeigte, statt sie hinter Witzen zu verstecken.
,,Wasser?" murmelte ich wie ein heulendes elend, woraufhin er sich kurz zu seinem Schreibtisch bewegte und mit einer Flasche zurückkam.
Ich nahm es in die Hand und kippte die halbe Flasche gierig in meinen Hals, während er sich vor mich setzte und seine Hand auf meinen Oberschenkel legte.
Ich tat das Wasser auf seinen Nachttisch und guckte ihn mit großen Augen an.
,,Ich dachte, ihr hättet geschlafen." beschämt, sah ich ihm ins Gesicht. Egal was war, ich hielt immer Augenkontakt. Ob das daran lag, dass ich immer stark und selbstbewusst erscheinen wollte? Womöglich.

Elias seufzte und schlug die Decke in seinem Bett auf. ,,Schlaf. Dann wird es Dir besser gehen." murmelte er und ich nickte.
Ich krabbelte in die Mitte des Bettes und legte mich hin, woraufhin Elias die mich zu deckte.
Mein Blick fiel zu ihm, trotz dass er so eine sanfte und süße Geste machte, war eine gewisse Distanzierung in seinen Augen zu sehen.
,,Wo schläfst Du?" fragte ich ihn und hoffte innerlich, dass er neben mir schlafen würde.
Es war wahrscheinlich der Alkohol, der mich Harmoniebedürftig machte.
Ich war eigentlich nicht so.
Nicht bei einem Jungen.
Na ja, nicht mehr seit dem mein Ex mein Herz in Tausend Teile zerbrochen hat und mich dazu auch noch blamiert hat.
,,Ich gehe noch nicht schlafen. Ich möchte Duschen.'' erläuterte er mir seinen Plan und mir entging der Kalte Ton in seiner Stimme nicht.
,,Okay." hauchte ich.
Ich wollte nicht, dass er geht.
Er drehte sich um, um in Richtung Bad zu gehen, da packte ich ihn am Handgelenk, weshalb er sich mit einem fragendem Blick zu mir wendete.
,,Ich- es tut mir leid." murmelte ich.
Eigentlich müsste ich mich nicht entschuldigen, ich könnte, wenn ich wollte noch zehn weitere Jungs küssen, doch würde er das Gleiche machen, hätte ich auch eine Entschuldigung gewollt.
Das war es, was unsere Beziehung zueinander merkwürdig machte. Wir waren toxisch.
Er guckte leicht überrascht und nickte langsam.

Ja, ich hatte mich entschuldigt.
Tat ich nicht oft im Leben.

UncontrollableWhere stories live. Discover now