Mit sieben Jahren lernte ich , dass Schweine Allesfresser sind.
Sie vertilgen nicht nur Wurzeln , Nüsse und irgendwelche Pilze, wie so oft angenommen wird. Nein, sie fressen alles . Einfach alles. Wirft man ihnen beispielsweise einen Menschen zum Fraß vor, werden sie sich begierig auf ihn stürzen.Lediglich ein paar Tage des Hungers sind nötig um das scheue Borstenvieh in reissende Bestien zu verwandeln. Dabei sind sie fähig, alles von ihrem Opfer verschwinden zu lassen. Inklusive der Knochen.
Mein Vater schätzte diese Eigenschaft sehr. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er mich mit zu den Schweinen nahm. Er wollte mir beweisen, dass es durchaus möglich ist einen Menschen komplett verschwinden zu lassen.So, als wäre er niemals da gewesen.
Das Opfer um das es sich handelte war Enzo. Zwillingsbruder der Ehefrau des Mannes, den er am meisten auf der ganzen Welt hasste. Ich muss nichtmal die Augen schliessen um mich an dieses Bild zu erinnern. Enzo auf dem kotverschmierten Boden des Schweinestalles. Die Hände auf dem Rücken zusammengebunden strampelte er mit den Beinen wie ein Insekt im Wasser. Gemäß der Sitte unseres Clans hatte man ihn nicht geknebelt. Ich hörte meinen Vater mal zu einem seiner Handlanger sagen, die Schreie seiner Feinde wären Musik in seinen Ohren.
Ich presste mir die Hände vor die Augen, doch mein Vater riss sie mir herunter.Gnadenlos verdammte er mich zuzusehen, wie Enzos schmächtiger Körper von den ungeahnt kraftvollen Schweinekiefern zermalmt wurde.
Das Knirschen seiner Knochen und die spitzen Schreie unfassbaren Entsetzens verfolgen mich jeden Abend bis in den Schlaf.
An jenem Tag schwor ich mir, mich von den Machenschaften meines Vaters fernzuhalten. Ich würde mich nicht da mit reinziehen lassen. Niemals.
Sobald es mir möglich sein würde, wäre die Flucht nach vorn der Weg hinaus aus dem grausamen Chaos meiner Kindheit. Die Organisation, oder die Familie, wie sie bei uns genannt wird ( denn das Wort Mafia ist verpönt in unseren Kreisen) sollte in meiner Zukunft keine Rolle spielen. Ich hasste sie alle. Die Männer , die bei uns Zuhause Aus und Ein gingen und die meinen Vater in ein gefühlloses Bündel aus Berechnung und Herablassung verwandelten. Das verschwörerische Gemurmel das Nachts durch den offenen Türspalt in mein Zimmer drang . Die Speichelleckerei, die Art wie sie seine Faust küssten, wenn er sie ihnen entgegenstreckte. Der arrogante Ausdruck auf seinem Gesicht, wenn er dabei das Kinn leicht anhob. Es war mir unmöglich, die Partnerwahl meiner Mutter nachzuvollziehen. Wie konnte man sich in so eine Kreatur bloß verlieben?Mir, das gelobte ich , würde so etwas nie passieren.
Doch es kam alles ganz anders.
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Promise
RomanceIch bin mir sicher , irgendjemand hält die unsichtbaren Strippen in der Hand, die an unseren verdammten Köpfen befestigt sind. Und er zieht daran und lässt uns tanzen, und manchmal reisst er die Strippen ruckartig nach oben, verknotet sie miteinand...
