Anaïs entdeckt ihre Eltern

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Das Zimmer, das Emmeline und Birget für Anaïs eingerichtet hatten, war perfekt, um es noch zu verändern, wie Anaïs fand.

Die Wände waren weiß, aber Emmeline hatte Anaïs versprochen, dass sie diese noch anders streichen konnten, wenn sie das wollte. Das Bett war mit einem fliederfarbenen Bettbezug überzogen – weil das ja ihre Lieblingsfarbe war, wie Emmeline von Professor Albus Dumbledore herausgefunden hatte – und auf dem Schreibtisch war ein ganzer Haufen mit Papier und bunten Stiften, damit Anaïs zeichnen konnte.

Als würden sie wissen, dass Anaïs ihre Sachen nicht aus ihrer Tasche geben wollte, wenn es nicht gerade notwendig war, zwangen sie Anaïs nicht dazu, ihren Koffer auszupacken und ihre Kleidung in den Schrank zu geben und als würden sie wissen, dass das alles für den Anfang sehr viel für Anaïs war, zwangen sie sie nicht dazu, sofort mit ihnen zusammen zu sitzen, sondern boten ihr an, dass sie erst einmal in Ruhe ankommen konnte.

Emmeline zeigte ihr das Bad und die vielen Seifen und Badezusätze, die sie besaß und versprach Anaïs, dass sie alles davon in der Badewanne benutzen durfte, wenn sie wollte, sie aber auch duschen konnte – wie sie wollte.

Anaïs saß einfach nur in ihrem neuen Zimmer auf dem Bett und starrte auf eine Wand, in Gedanken versunken und Emmeline und Birget ließen ihr Zeit.

Als Anaïs das Gefühl hatte, bereit zu sein, verließ sie ihr Zimmer, um auch die restliche Wohnung zu erkunden.

Es gab ein Wohnzimmer und eine Küche und das Zimmer von Birget und Emmeline.

An den Wänden hingen und auf Kommoden standen viele, viele Fotos (solche, die sich bewegten, wie es in der Welt der Zauberei üblich war, aber auch welche von Muggel, die still standen), die verschiedene Personen zeigten, von denen Anaïs die meisten gar nicht kannte, aber sie erkannte, dass sie alle ehrlich in die Kamera lächelten.

Anaïs hatte von früheren zu Hauses gelernt, dass Fotografien viel über eine Familie aussagten. Bei den Rigbys waren es viele Fotos des Paares gewesen, die gezwungen in die Kamera gelächelt hatten und die wenigen, die andere Familie und Freunde zeigten, wirkten ebenfalls sehr gestellt.

Die Fotos, die Emmeline und Birget ausgesucht hatten, zeigten meistens spontane Momente der Freude und auf eindeutig geplanten Gruppenbildern lächelten trotzdem alle recht freundlich und zufrieden.

Auf einer Wand, die ein wenig wie eine Wand des Triumphes schien, wie Anaïs fand (die Wände oder Vitrinen, die Leute benutzen, um ihre Errungenschaften zu zeigen), waren eingerahmte Zeitungsausschnitte, die aber nicht nur Birget und Emmeline zeigten (die waren eigentlich selten darauf zu finden), sondern Quidditchspiele, wissenschaftliche Artikel oder Konzerte.

Das seltsamste war eine Wand, an der verschiedene Waffen hingen – Schwerter, Speere, Bogen und Schilde. Anaïs war einmal bei einer Familie gewesen, deren Oberhaupt Waffen gesammelt hatte, aber das waren Schusswaffen gewesen, nicht antik aussehende Schwerter. Auch sonst – das fiel Anaïs nun auf – waren in der ganzen Wohnung überall kleine Waffen versteckt, aber Anaïs hatte schon Seltsameres in Häusern gesehen.

Emmeline und Birget fand Anaïs in der Küche und Anaïs trat schüchtern ein, aber keiner der beiden benahm sich so, als wäre es ein Wunder, dass sie sich endlich zeigte, sondern sie behandelten Anaïs einfach so, als wäre sie schon immer da gewesen und irgendwie gefiel Anaïs dieser Gedanke.

„Hey, willst du auch einen Apfel?", fragte Emmeline – sie stand an der Theke und entkernte gerade einen Apfel.

Anaïs nickte nur und näherte sich vorsichtig dem Tisch, an dem auch Birget saß und Birget bemühte sich wohl, nicht beängstigend auszusehen, aber Anaïs war klar, dass sie sich noch nicht so an sie gewöhnt war und wahrscheinlich nicht sofort so reagieren würde, wie Emmeline es tat.

Pomegranate | Harry PotterOù les histoires vivent. Découvrez maintenant