Kapitel 12

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Sophia

»Okay und jetzt nur noch festhalten?« ich stand -hing halb- an dem großen Zelt um es am Platz zu halten, während Dallas und Callen gerade die letzten Handgriffe erledigten. Es war ja so typisch; die Männer bauen auf und die Frauen sollen daneben stehen und schön aussehen - ganz selten dürfen sie mal was halten oder rüberreichen. Aber ich muss sagen, vom Aufbau eines Zeltes hatte ich so gar keine Ahnung, also war das schon ganz in Ordnung dass Cal und Dallas das taten, wenn ich es nicht mal fertig brachte, eine Bauanleitung eines IKEA-Regals zu befolgen (oder mir wie letztes Mal fast in den Finger gebohrt hatte).

»Du kannst loslassen Soph«, meinte Cal und wischte sich seine Hände an seinen ausgewaschenen Jeans ab, bevor er stolz grinsend seine Arbeit betrachtete. »Soll ich dann Holz für's Lagerfeuer holen gehen?«, bot ich an und knotete die leichte olivfarbene Outdoorjacke über meiner Hüfte zusammen, sodass sie mich nicht störte. Cal nickte. »Gute Idee; ich sattel solange die Pferde ab und bereite das Zelt vor.«

»Und ich renn dir einfach wie der letzte Idiot durch den Wald hinterher«, beschloss Dallas für sich und folgte mir in den Wald hinein, weg von der Lichtung die in der nähe eines kleinen Auslegers des Trinity River. Es dauerte etwas bis wir in ein Gebiet kamen, in dem ein paar trockene Äste im Unterholz herumlagen - zum einen, da wir sonst etwas weiter unten -am Ende des Flusses- kampierten und zum anderen da der Boden hier noch extrem schlammig war, da es erst vor kurzem eine kleine Überschwämmung in diesem Teil des River gegeben hatte. »Danke«, sagte ich, als Dallas mir über eine Ansammlung von herumliegenden Baumstämmen und sperrigen Ästen geholfen hatte, auf denen ich beinahe ausgerutscht wäre. Er ließ meine Hand los und zwinkerte mir zu, als er mit einem Grinsen sagte: »Zu ihren Diensten, my Lady

Zuerst wollte ich mit meinen Augen rollen und ihn nach der fehlenden Verbeugung fragen, doch dann fiel mir etwas auf. »Hey du kannst ja auch lächeln«, sagte ich und musste selber lächeln. Kennt ihr diese Menschen, die ein so schönes Lächeln haben dass man deswegen selbst auch immer lächeln muss? Dallas war so ein Mensch. Sonst grinste er nur für gewöhnlich, aber wenn er lächelte sah er ganz anders aus. Nicht mehr so Herzensbrecher-mäßig.

Doch leider verlor sich sein Lächeln langsam wieder, nachdem ich das gesagt hatte, wie als hätte er kurz vergessen, dass er eben nicht lächeln wollte und es ihm nun wieder einfallen würde. »Überrascht dich das Sophia?«

Ich sammelte ein paar trockene Äste ein und spürte die Dornen eines Strauches an meinen Knien kratzen. »Bei dir schon, ja. Du tust es so gut wie nie«, meinte ich und hörte, wie er gerade dabei war, einen Ast von einem größeren zu trennen.

»Hab meine Gründe.«

»Solltest du öfter tun. Steht dir sehr gut«, sagte ich und lächelte ihm leicht zu, da ich ihm durchaus glaubte, dass er ein paar gute Gründe hatte, weswegen er den Kalten mimte. »Sag mal Sophia, gibt es hier eigentlich irgendwas wovor man Angst haben sollte?«, fragte Dallas und kam, eine Ladung Äste auf den Armen, zu mir.

Ich dachte kurz nach. »Nicht wirklich. Wölfe gibt es in diesem Abschnitt nicht und Bären auch nicht - das einzige wovor du Angst haben solltest ist Cal wenn er morgen früh seine Socken nicht findet.«

»Warte, warte, warte - Wölfe? Bären? Du verarschst mich doch Sophia«, perplex stapfte er neben mir her zurück zum Camp. Ich nickte. »Doch, wirklich. Bären sind aber eher oberhalb des River und Wölfe eher südlich«, erklärte ich ihm, was mein Dad mir als kleines Mädchen so oft erzählt hatte.

»Und wie haben kein Bärenspray oder so 'n Shit mit?«, wollte er etwas beunruhigt wissen, was mich grinsen ließ, sodass ich ihn leicht gegen die Schulter stieß. »Komm schon Dallas, vetrau' mir mal mehr. Und selbst wenn ein Bär auf die abwegige Idee kommen würde unser Camp zu besuchen - Cal und ich wissen was wir tun müssen.«
Das schien ihn zumindest etwas zu beruhigen, sodass wir auf dem Weg zurück Witze über Cal und seine Socken rissen und beide der selben Meinung waren, dass Porridge mit Zimt, Erdbeeren und Schokolade das Beste überhaupt war, was mich wirklich überraschte, da ich angenommen hatte, dass Dallas bei sich zuhause ein fünf Sterne würdiges Frühstück gewohnt war, aber anscheinend doch lieber simples Essen präferierte...

»Da seid ihr ja endlich!«, seufzte Callen und nahm mir sogleich etwas Holz ab, um sie zu einem perfekten Lagerfeuer zusammenzubauen. Die Sonne war schon fast untergegangen und färbte den Himmel in ein kräftiges orange, welches von Minute zu Minute immer dunkler und schöner wurde. Wir zogen uns etwas wärmere Jacken an, bevor wir zum Flussufer liefen, das nur wenige Meter vom Camp entfernt lag.

»Und ihr lasst die Pferde einfach so da stehen?«

»Klar«, ich zuckte meine Schultern und kletterte auf einen Baumstamm, der quer über dem kleinen See hing, in den der Trinity River mündete. Der Wasserfall vor mir rauschte angenehm, machte eine peinliche Stille damit unmöglich und verströmte ein Gefühl der Freiheit und Unabhängigkeit. »Die laufen nicht weg, wenn doch, dann laufen sie nachhause.«

Vorsichtig kletterte Dallas neben mich, was ein leises Knacken des Stammes zur Folge hatte, setzte sich neben mich und schaute den See und sein Ufer an. Keine Autos, kein Lärm, keine vielen Menschen, keine beklemmende Atmosphäre... manchmal tat so was verdammt gut. Und als ich unauffällig zu Dallas rüber sah, erkannte ich, dass er es nötig hatte hier zu sein. Er schien hier mal zur Ruhe zu kommen. Und ich? Ich dachte daran wie es war zu leben. In Freiheit. Wie ein Vogel - einfach losfliegen, egal wohin, und sich von niemandem etwas vorschreiben lassen...

»Dallas?« er sah zu mir. »Du kannst mich Soph nennen - Du gehörst jetzt zu den Auserkorenen die das dürfen.«

Er lächelte wieder. Er wirkte dabei so entspannt - nicht wie der unnahbar britische Student, sondern... so als würde er es langsam zulassen, sich mir ein Stück weit zu öffnen und etwas von sich selbst zu offenbaren. Die fast blutrote Sonne hing nur noch minimal über den Spitzen der Bäume und färbte den See in eine unnatürlich schöne Farbe. »Weißt du was?«, fragte er plötzlich rhetorisch und stand langsam auf, um sein Gleichgewicht zu halten. Ich sah ihn zunächst nur etwas irritiert und skeptisch an, bevor ich ebenfalls langsam aufstand und ihn abwartend ansah. »Spring.«

Ich hatte nicht erwartet was er, noch ich tun würde. Ich hätte mich normalerweise vehement dagegen gewehrt und die bloße Idee als unglaublich unnötig abgewiesen. Ich hatte nicht erwartet, dass er mir seine Hand entgegenhalten und wirklich springen würde, sobald ich meine in seine gelegt hatte. Aber ich sah ihn an, dann seine Hand, dann wieder ihn. Als ich in das kühle Wasser eintauchte und für einige Sekunden schwerelos unter Wasser blieb merkte ich, wie es sich anfühlte im Hier und Jetzt zu leben; für den Moment. Das Gefühl des Moments.

Ich strich mir ein paar klatschnasse Haare aus dem Gesicht bevor ich mit offenem Mund zu Dallas sah, der ebenfalls tief Luft holend aufgetaucht war.

»Das war... das... war krass!«, lachte ich euphorisch als wir einige Minuten später gemeinsam zurück zum Camp gingen und über die Aktion sprachen. Als Callen uns jedoch entdeckte, ließ er perplex die zwei Stöcke fallen, die er bis eben noch in seinen Händen gehalten hatte und sein Mund fiel in eine "O"-Form.

»Was zur Hölle habt ihr gemacht?«

Dallas grinste bloß und zog mich ins Zelt, da dort die Handtücher waren und es langsam aber sicher kalt wurde. »Sorry Bro, aber die Poolparty hast du leider verpasst.«

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A/N: Dieses Bild ist cute af.

Hier simma wieder. Und das Camping-Abenteuer geht weiter... mit einer weiteren Dallas-Aktion =D

Wie geht's wohl weiter? Und warum hat Dallas das gemacht? Schreibts im die Komments :)

Bis dann und Tschau mit V,
~May&Bae

Dallas - Just one Year Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt