Nachts, wenn der Wolf erwacht

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Remus war über Severus Stimmungswechsel verwundert. Noch überraschter war er, als sich dessen Art die nächsten Tage nicht veränderte.
Severus war aufmerksam, hielt jedoch mehr Abstand als zuvor, wenn das überhaupt noch möglich war. Zwei Wochen lang hielt sich Severus ständig in seinem Labor auf und überließ Remus sich selbst.

Remus war nun bereits drei Wochen bei Severus und inzwischen völlig ratlos.
Was machte er hier eigentlich? Erst wollte Severus sich an ihm rächen, dann nahm er ihm seine Angst, schließlich war er fast schon zärtlich und nun ging er ihm vollkommen aus dem Weg.
Jeden Tag dachte Remus über seine derzeitige Situation und Severus Verhalten nach. Aber er kam niemals zu einem zufrieden stellenden Ergebnis.
Severus blieb für ihn ein einziges Rätsel. 
Aber Remus war darauf versessen, dieses zu lösen.
Er wusste, dass er Severus verstehen musste, vorher würde er ihn nie davon überzeugen können, dass er ihm mehr bedeutete.

Am Abend betrat Severus sein Wohnzimmer, nachdem er den ganzen Nachmittag wieder in seinem Labor verbracht hatte. 
Er trat an den Sessel heran auf dem Remus es sich mit einem Buch gemütlich gemacht hatte und reichte ihm einen Pokal.
"Trink bitte, die Sonne geht schon unter und du möchtest dich sicherlich nicht in ein Untier verwandeln!" 
Severus Stimme klang sanft, so dass Remus seinen Blick hob und in diese Augen sah, welche ihm schon seit Tagen den Schlaf raubten.
Er nahm Severus den Becher ab und trank. Das Zeug schmeckte wie immer eklig. 
Nachdem Remus den Pokal geleert hatte, ging er ins Bad um die Verwandlung abzuwarten.
Severus fühlte sich unwohl. Er nahm sich ein Buch aus dem Regal, setzte sich auf den Sessel, in dem Remus zuvor gesessen hatte und begann zu lesen.

Nach kurzer Zeit trottete ein Wolf mit braun-silbernem Fell auf ihn zu und legte eine Pfote auf die Sessellehne. Severus bemerkte dies zwar, aber er hatte Angst sich zu rühren. Diesen Wolf kannte er noch nicht.
Diese ruhige, fast schon friedliche Form des Werwolfes kam durch den Wolfsbanntrank zutage. Severus war damals der gefährlichen Form des Werwolfes begegnet, die ihn fast zerrissen hatte.

Dennoch fühlte er sich unbehaglich und der Wolf schien es zu bemerken. Er nahm seine Pfote herunter, trottete vor den Sessel in dem Severus saß und legte seinen Kopf in dessen Schoss.
Treuherzig blickte er zu Severus auf. 
Nachdenklich besah sich Severus den Werwolf. Er hatte scheinbar wirklich nicht vor, ihm etwas anzutun. Langsam hob Severus seine Hand um den Wolf dabei nicht zu erschrecken. 

Der Wolf beobachtete ihn, schien Severus jedoch nicht als Bedrohung zu empfinden. Er gähnte und hob abermals eine Pfote, die er auf Severus Knie sinken ließ. Nun war Severus nicht mehr in der Lage aufzustehen, selbst wenn er es gewollt hätte. 
Er hatte noch immer die Hand halb erhoben und legte sie nun langsam auf den Kopf des Wolfes.
Dieser rührte sich nicht und Severus konnte das weiche Fell fühlen.
'So weich wie sein Haar!´
Severus lächelte unbewusst und begann langsam dem Wolf den Kopf zu graulen, dem die Behandlung zu gefallen schien. Sanft schmiegte er seinen Kopf näher an Severus Hand, beschnupperte diese und leckte vorsichtig dessen Finger ab.
Es kitzelte und Severus musste sich ein Lachen verkneifen. "Gefällt dir das mein Junge?"
Nun sah der Wolf auf und kläffte laut, wodurch Severus nun doch Lachen musste.
Er nahm den Kopf des Wolfes in beide Hände und knuffte diesen.
Der Wolf hechelte und wollte am liebsten auf Severus Schoß krabbeln. Aber Severus wehrte dies noch rechtzeitig ab. Er war sich nicht sicher, dieses Gewicht den Rest der Nacht aushalten zu können. Denn ins Schlafzimmer ließ der Wolf ihn die Nacht sicher nicht mehr.

Als der Wolf sich beruhigt hatte, zauberte Severus sich eine Bürste hervor. Nachdem der Wolf die Bürste neugierig beschnuppert hatte, ließ er zu, dass Severus ihn ausgiebig das Fell behandelte, wobei Severus schmunzelte. So hatte er sich sein neues Haustier nicht vorgestellt. Er war doch ziemlich überrascht.
Am liebsten würde er einen Ball werfen, um diesen von dem Wolf apportieren zu lassen. Das wäre zu drollig. Ob der Wolf das machen würde?

Severus lachte vor sich hin. So viel Spaß hatte er schon lange nicht mehr. Er betrachtete die Bürste. Es waren einige Haare darin hängen geblieben. Severus Gesicht leuchtete auf. 
Vorsichtig legte er die Bürste zur Seite. Die Haare des Wolfes waren für seine Studien sehr wichtig.
Nun fehlte ihm nur noch eine Sache, diese brauchte er jedoch von Remus, nicht von "Moony".
Severus bemerkte, dass der Wolf eingeschlafen war. Er strich diesem noch ein paar Mal über den Nacken und schlief schließlich in den Sessel versunken ein.

*****

Am nächsten Morgen erwachte Remus. Sein Rücken schmerzte. Kein Wunder, wie er bemerkte, hatte er die ganze Nacht kniend vor dem Sessel verbracht.
Wenigstens hatte sein Kopf weich auf der Sitzfläche des Sessels gelegen.

Aber Moment, das... war nicht der Sessel, worauf er gelegen hatte. Remus war augenblicklich hellwach und besah sich sein Kopfkissen, wobei sein Mund aufklappte.
Er hatte tatsächlich auf Severus Schoß gelegen. 
Verlegen biss er sich auf die Unterlippe. Aber warum hatte Severus ihn nicht abgewehrt und war ins Schlafzimmer gegangen? 
Das musste für ihn doch auch sehr unbequem gewesen sein so zu schlafen. Im Sitzen, noch dazu mit einem halben Werwolf als Gewicht auf seinem Schoß.

Remus hob seinen Kopf und betrachtete Severus, während dieser weiter schlief.
'Wie sanft er aussieht, wenn er schläft!´
Zärtlich betrachtete Remus den schlafenden Mann. Er hatte noch immer die gleiche Kleidung vom Vortag an, eine schwarze Stoffhose und ein slytherin-grünes Seidenhemd. 
Seine Arme lagen auf den Lehnen des Sessels und seine Gesichtszüge waren entspannt.
Eine vorwitzige Haarsträhne fiel ihm ins Gesicht, wodurch Remus Mundpartie ein leichtes Lächeln umspielte.

Severus wachte langsam auf, irgendwie fühlte er sich beobachtet. Als er die Augen aufschlug, wurde sein Verdacht bestätigt.
Remus kniete vor ihm und schien ihn zu betrachten. Zwei hellbraune Augen strahlten ihn an.
Um diesem aufmerksamen Augen zu entgehen wanderte Severus Blick über den Mann vor ihm. Seine Augen weiteten sich kurz, dann schloss er sie. Seine Wangen erröteten und er murmelte vor sich hin. "Du solltest dir etwas anziehen, Remus!"
Als die Worte Remus Gehirn erreichten, lief er rot an. Er saß hier vor Severus und beobachtete diesen, während er selbst doch ein herrliches Bild abgeben musste, wie er so splitter-faser-nackt vor Severus kniete.

vom Werwolf zum schosshund Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt