Prolog

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Das Wort stark hat meiner Meinung nach zwei verschiedene Bedeutungen, die sich dann nochmal in einige weitere Bedeutungen gliedern lassen, aber bleiben wir vorerst bei diesen zwei Bedeutungen.

Jemand hat viel Kraft. Anders gesagt, diese Person ist stark. Stark im Sinne von, Muskelmasse, ein kräftiger Schlag und die Fähigkeit schwere Gewichte mit Leichtigkeit hoch zu heben. Körperliche oder auch physische Stärke ist ein ziemlich passender Begriff hierfür. 

Aber dann gibt es da noch die andere Bedeutung. Leistungsfähig oder auch widerstandsfähig. Dieser Mensch hat starke Nerven, vielleicht auch ein starkes Herz. Im Gegensatz zu der anderen Bedeutung von stark ist das also nichts physisches, sondern etwas geistliches. Etwas im Kopf; im gesamten Körper. Sagen wir einfach, eine Person hat viel durchgemacht, viel Leid und Schmerz ertragen und trotzdem kann diese Person nach alledem mit einem Lächeln durch die Welt laufen. Auch dann gilt eine Person als stark. Das wäre dann die psychische Stärke. 

Ich habe nie richtig darüber nachgedacht. Wer tut das schon? Wir alle -oder zumindest ein großer Teil der Gesamtheit- wissen die verschiedenen Definitionen von den unzählbaren Wörtern, die es auf dieser Welt gibt. Wir haben keine Zeit uns genauer mit allen diesen Wörtern zu befassen und selbst wenn, wir würden unsere Zeit für etwas anderes nutzen.

Mich selbst würde ich niemals als stark bezeichnen, egal, in welchem Sinne es ist. Wenn ich höre, wozu einige Menschen in der Lage sind oder was sie alles durchgestanden haben, dann staune ich und ich frage mich jedes mal aufs Neue, wie sie das schaffen. Denn wenn ich mich in ihre Lage versetze, dann kann ich es nicht einmal leugnen; physisch und psychisch ertrage ich gewisse Dinge einfach nicht, die andere Menschen hingegen einfach so hinnehmen. 

Aber ich fühle mich auch nicht schwach. Ich bin irgendetwas dazwischen, wie eigentlich jeder. Manchmal habe ich nur das Gefühl, dass ich eine der wenigen Personen bin, die diese Einsicht gefunden haben. Zu schwach oder zu stark, so stufen sich viele Menschen ein, weil sie nicht daran glauben, dass es da ein 'Dazwischen' gibt. 

Gibt es das denn überhaupt? Wer bin ich denn schon, dass ich so etwas mit Sicherheit sagen kann?

Natürlich spreche ich es nie laut es und es würde auch niemals dazu kommen. Das ist nur die Art und Weise, wie ich mir Dinge vorstelle und erkläre. Ob es falsch ist oder nicht, das interessiert mich nicht, denn damit unterscheide ich mich nicht von all den anderen Menschen, die ebenso wie ich ihre eigene Sichtweise haben.

Hunted | Dylan O'BrienWhere stories live. Discover now