Kapitel 12

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"Ich geh mich umziehen. Setz dich einfach...irgendwo hin."

Dylan ließ sich auf der Couch nieder, als ich in mein Zimmer ging und dort aus meinem Kleid schlüpfte, um dieses durch eine Leggings und einen warmen Pullover zu ersetzen, bevor ich mich zu dem Jungen, der nach wie vor im Wohnzimmer auf der Couch saß, gesellte.

Er hatte sein Jacket ausgezogen und die Ärmel des weißen Hemds ein wenig nach oben gekrempelt, seine Aufmerksamkeit war mir gewidmet, als ich mich ebenfalls auf die Couch setzte.

"Was ist das?", fragte ich ihn und deutete dabei auf seinen Unterarm. Es war eine verdammt dumme Frage, denn dass es ein Tattoo war, das war mir bewusst, aber es war das Motiv des Tattoos. Eine Art Sonne und inmitten dieser Sonne war ein Stern. Exakt dieselbe Sonne hatte ich auf meiner Schulter, nur natürlich nicht tätowiert. Der einzige Unterschied war der Stern und dass sein Tattoo ein wenig großer war als das Zeichen auf meiner Schulter.

"Ein Tattoo?"

Ich verdrehte meine Augen und schüttelte meinen Kopf.

"Ich - was es bedeutet, ich wollte wissen, was es bedeutet", erklärte ich ihm, ohne mich dabei für seine persönlichen Gründe zu interessieren, zumindest nicht so sehr wie für eine mögliche Erklärung des Zeichens auf meiner Schulter, denn dass normale Flecken nicht so aussahen, konnte man sich wohl denken.

"Muss es denn unbedingt was bedeuten?"

Es bedeutete etwas. Ich war mir so verdammt sicher darin, obwohl ich keinerlei Begründung dafür hatte. Nicht nur, dass ich fast dasselbe Motiv auf meiner Schulter, sondern auch dass es ein außergewöhnliches Tattoo war. Es war nichts, das jeder zweite sich tätowieren ließ und wie alt war Dylan? Höchstens 18. Er wirkte auf mich nicht wie einer dieser Teenager, die sich ohne groß darüber nachzudenken irgendetwas tätowieren lassen, das keinerlei Bedeutung für sie hatte.

"Wie alt bist du?"

"19."

"19? Du bist sitzengeblieben?"

Ich stellte meine Frage, ohne vorher darüber nachzudenken. Die ältesten in der Abschlussklasse waren meistens 18, es sei denn sie waren sitzengeblieben oder mussten wegen einem Umzug vielleicht das Jahr wiederholen, vielleicht hätte ich besser den zweiten Verdacht aussprechen sollen. Ich hatte das Gefühl, dass meine Frage etwas direkt und grob klang und vielleicht war sie das auch, aber ihn kümmerte es nicht wirklich.

"Letztes Jahr war ich kaum anwesend, selbst wenn ich dann doch in der Schule war."

Ich beschloss, ihn nicht zu fragen, woran das lag, auch wenn es mich wirklich ein wenig reizte, ihm diese Frage zu stellen.

"Das Tattoo, du hast mir meine Frage nicht beantwortet."

Sein Blick fiel auf das Tattoo, dann wieder zurück auf mich und es schien so, als ob er sich gerade eine Antwort zurechtlegte. Als ob er überlegte, was er sagen sollte oder ob er mir überhaupt eine Antwort geben sollte.

"Es erinnert mich daran, wer ich bin."

Irritiert zog ich meine Augenbraue nach oben, hinterfragte seine Antwort allerdings nicht. Es war nicht die Erklärung, mit der ich gerechnet hatte, aber dennoch ergab sie Sinn. Weshalb ein Teil seines Tattoos aber auf meiner Schulter war, das wurde mir dadurch immer noch nicht klar.

"Und wie bist du auf dieses Motiv gekommen? Du hättest dir genauso gut deinen Namen tätowieren lassen können."

"Meinen Namen? Wer lässt sich seinen eigenen Namen tätowieren?"

Ich konnte mir ein kleines Lachen nicht verkneifen.

"Okay, vergiss das. Warum das Motiv?"

Er rutschte etwas näher an mich heran, so nahe, dass unsere Knie sich berührten und streckte mir dann seinen Arm ein wenig entgegen.

Hunted | Dylan O'BrienWhere stories live. Discover now