Jace*

598 43 15
                                        

Er hatte das Gefühl, sein Kopf würde zerspringen. Seit Stunden saß er schon auf dieser Bank in der Stadt und versuchte irgendeine Lösung zu finden. Irgendeinen Weg, um an Geld zu gelangen. Aber sein Kopf war wie leer gefegt. Er hatte keinen blassen Schimmer, was er tun sollte.

Jace dachte an den Morgen zurück. Seine Mutter hatte ihn fest in die Arme genommen und ihm gesagt, wie stolz sie auf ihn  sei. Er hatte sich sofort verkrampft. Was würde sie wohl von ihm denken, wenn sie erfuhr, von wem er das ganze Geld für ihre Untersuchungen und Medikamente hatte. Am besten begann er gar nicht erst darüber nachzudenken...

Irgendeine Lösung musste es doch geben. Es konnte doch nicht sein, dass es auswegslos war. Was sollte er tun? Er war nun einmal kein kreativer Kopf und begabt war er auch nicht. Wie sollte er da an Geld kommen?

Vielleicht sollte er versuchen, Mason zu beschwichtigen. Ihm zu erklären, dass es ihm niemals im Leben gelingen würde, 300€ auf zu treiben. Aber diesen Gedanken verwarf er ganz schnell wieder. Mason würde nicht mit sich reden lassen. Er hatte Jace doch schon erklärt, dass es ihm egal war, wie er das Geld auftrieb. Wenn Jace also kriminell wurde, interessierte es ihn einen feuchten Dreck. Hauptsache er bekam sein Geld und zwar so schnell wie möglich.

Jace sah sich um. Er beobachtete die Leute, die an ihm vorbei liefen und nicht bemerkten, in was für einer Lage er sich befand. Sie waren entweder mit ihren Kindern beschäftigt oder zu verliebt, um zu bemerken, wie die Welt um sie herum war. Sie schienen von einer Blase umgeben zu sein, in der alles perfekt war. In einer, in der es keine Probleme gab. Und das machte ihn wütend, die Leute wussten es nicht zu würdigen, was sie hatten. Wahrscheinlich würde es ihnen nicht einmal auffallen, wenn ihnen ihr Portemonnaie oder Smartphone fehlen würde.

Der Gedanke betrübte Jace. Während seine Mutter sich auf der Arbeit abschuftete, hatten diese Leute das Glück, zu lachen und glücklich zu sein. Wie lange war es her, dass er richtig glücklich gewesen war? Er konnte sich nicht erinnern.

Seufzend schloss er die Augen. Wenn ihm nicht bald etwas einfiel, dann hatte er ein sehr großes Problem. Er atmete tief ein und aus, bevor er die Augen wieder öffnete und ein Mädchen erblickte.

Es war eindeutig wütend. Ihre Augenbrauen waren zusammen gezogen und der Ausdruck in ihren Augen ließ jeden auf Abstand gehen. Die Menschen um sie herum warfen ihre merkwürdige Blicke zu und sahen ihr hinterher. Obwohl es recht kühl war, trug sie keine richtige Jacke, lediglich eine leichte Sweatjacke.

Als sie plötzlich genervt stehen blieb, befürchtete Jace schon, dass sie ihn und sein Gestarre bemerkt hatte, aber sie zog bloß ihr Handy aus der Jackentasche und wenn möglich wurde ihr Blick noch düsterer.

Er konnte von hier aus sehen, dass es sich bei ihrem Smartphone um eins der neueren Modelle handelte. Es musste sehr viel Geld wert sein. Was er dann tat, konnte er sich bloß mit seiner Verzweiflung erklären.  Wie in Trance stand er auf und ging auf das Mädchen zu, ohne es aus den Augen zu lassen. Sie sah noch immer auf das Gerät in ihren Händen, doch dann steckte sie es wieder in die Tasche ihrer Sweatjacke. Ziemlich unsicher.

Als sie sich wieder in Bewegung setzte, lief er ihr entgegen und rempelte sie an. Dabei  griff er in ihre Jackentasche, zog das Handy heraus und versteckte es, so schnell er konnte, in seiner eigenen.

Er hörte noch, wie sie ihm Beleidigungen an den Kopf warf, doch er lief einfach weiter. Sein Herz klopfte schneller als gut für ihn war und er hatte das Gefühl, dass man ihm seine Tat ansah. Die Leute um ihn herum schienen plötzlich so interessiert an ihm. Sie sahen ihm hinter. Es war eindeutig,dass sie etwas gesehen hatten. Er wurde immer nervöser, bis er plötzlich anfing, los zu rennen. Er rannte so schnell er konnte und so weit weg wie möglich.

Das Glück des Zufalls | db ✔️Where stories live. Discover now