Kapitel 2 - Eine Sprite

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"Eine Sprite, bitte.", brüllte Louis quer über die Theke hinweg, in das Ohr einer Blondine in einem äußerst knappen Top.

Sie nickte knapp, ohne eine Miene zu verziehen und wuselte davon.

Louis atmete tief durch. Er sollte nach Hause gehen. Dringend. Nur noch das Getränk und dann würde er gehen. Die Brünette betrieb gerade Speichelaustausch mit einem Mann der locker zwei Köpfe größer war als er. Und muskulöser. Nein, das kratzte nicht an ihm. Natürlich nicht... Natürlich.. doch. Säuerlich spielte er mit einem Bierdeckel vor sich.

Er hatte den Mann noch zwei Mal gesehen. Einmal auf der Tanzfläche und einmal war er bei den Tischen entlang gegangen. Vermutlich auch einer von denen die hier jedes Wochenende haufenweise Frauen abschleppten und das völlig normal fanden, während Louis noch nicht einmal zu Schuss gekommen war und es vermutlich auch nie tun würde, weil hier eben solche Typen herum rannten. Wieso sollte sich auch eine auf ihn einlassen, wenn sie so einen Mann haben könnten?

"Machste mir nen Long Island Ice Tea?", fragte plötzlich eine langsame tiefe Stimme direkt neben ihm.
Louis konnte sich das selbst nicht erklären, aber er spürte, wie sich seine Nackenhaare aufstellten. Scheiße.

Und die Blondine, die ihm immernoch nicht seine Sprite gegeben hatte, wackelte mit ihrem Vorbau, lächelte kokett und nickte begeistert.

"Ey! Ich hab noch nichts bekommen!", motzte Louis, als die echt anfing, Hochprozentigen heran zu schaffen. Hallo? Er wollte nur ne Sprite! Und hatte fünf Minuten vorher bestellt. Hier ging es ja wohl nicht nach der Körpergröße! Was ein beschissener Abend.

"Was möchtest du denn?", fragte die dunkle Stimme und plötzlich, wohl um andere vorbei zu lassen, presste sich ein Körper an seinen.

Louis sah hoch. Der sollte ihm nicht so auf die Pelle rücken. Und dann sah er ihn. Ach du heilige Scheiße. Der Körper, der sich von hinten an ihn drückte war seiner. Sein nackter Oberkörper.

"Ich... Äh... Ähm..."
"Lass dir ruhig Zeit..", hauchte der Mann nun eindeutig belustigt.

"Sprite!", schrie Louis. "Ich wollte eine Sprite."

"Bringste mit erst noch ne Sprite?", Fragte der Mann über den Lärm des Clubs hinweg und siehe da, Madame machte sich sogleich ans Werk. Doofe Kuh.

Keine drei Minuten später reichte die doofe Kuh dem großen Mann beide Getränke.

Der lächelte Louis an und ging zu einem Stehtisch zwischen Theke und Tanzfläche.

Louis folgte. Er hatte ja Durst. Moment! Hatte der jetzt für ihn bezahlt? Er sollte ihm das Geld wieder geben...

Der Mann reichte ihm schließlich sein Glas. Immerhin machte der keinen doofen Spruch wegen seiner Getränkeauswahl. Wobei es für dumme Sprüche auch einfach zu laut war.

Louis schenkte dem Mann ein dankbares Lächeln, während er das Glas entgegen nahm.
Der schmunzelte und betrachtete Louis. So intensiv, dass der sich irgendwie nackt fühlte. Beschämt senkte er den Blick. Wieso zum Teufel wurde er so rot?

Der Mann berührte ihn kurz darauf wieder. Weil zwei Türsteher zwei Typen an die Luft setzen mussten. Louis fand das ein bisschen gruselig. Sowas hatte er noch nie so mitbekommen. Aber der Mann stand zwischen ihm und den Typen, die es schafften sich über die Musik hinweg hörbar zu bedrohen und zu beleidigen.

Dafür, dass in dem Longdrink viel Alkohol war, trank der Mann das ziemlich schnell und war fertig, als Louis seine Sprite alle hatte. Und dann waren plötzlich Paul und Oli da und rissen Louis halb um.
Als er wieder aufsah, war der Mann weg.

Seine Freunde überredeten ihn, noch zu bleiben und so landete Louis wieder auf der Tanzfläche. Er hatte keine Lust mehr. Wieder drängte es ihn zu gehen. Aber er würde ihn gern noch einmal sehen. Wenn auch nur aus der Ferne. Er musste ihm ja auch noch das Geld für die Sprite geben. Aber er sah ihn nicht.

Er tanzte lustlos vor sich hin, als sich plötzlich Hände auf seine Hüften legten.
Wieder stellten sich seine Nackenhaare auf und er spürte, wie sich sein Rücken von ganz allein straffte.

Er drehte sich herum, auch wenn er bereits wusste, wer das war. Er hatte ihn wieder gefunden.

Louis war kein leidenschaftlicher Tänzer. Er kam sich dabei albern vor und wusste auch nicht, wie das, was er da tanzen nannte, wohl von außen so aussah.

Aber als der Mann ihn so hielt und sich von hinten an ihn presste, folgte er den vorgegebenen Bewegungen und das machte definitv Spaß. Weil er ja quasi nichts machen musste. Außerdem machte der Mann ihn definitiv sehr sehr sehr sehr kribbelig. Louis konnte das überhaupt nicht einordnen. Aber es war eben... Ein unglaublicher Reiz. Allein die Bewegungen des Größeren und wie dessen großen Hände auf ihm lagen.

Irgendwann befand er sich mehr zwischen den Armen des anderen und fühlte sich fast schon vom Rest des Clubs abgeschirmt. Da es so voll war, schwangen sie mehr oder minder nur ihre Hüften herum und dabei spürte Louis den anderen um so deutlicher hinter sich.
Eine Gänsehaut nach der anderen kroch über ihn und er hatte keine Ahnung, wo das noch enden sollte, als er den Atem des anderen an seinem Hals spürte. Dessen heißen Atem und wieder schienen die Bewegungen langsamer zu werden, die Musik langsamer und leiser, wie in einem Film, der eine bedeutende Szene betonen wollte.

Louis konnte sich das selbst nicht erklären, aber es fühlte sich so natürlich an, die Arme hinter seinem Nacken zu kreuzen und ihn eng bei sich zu behalten. Es fühlte sich nicht nur natürlich sondern auch sehr gut an und Louis erwischte sich dabei, wie er wieder das Prickeln von dessen Stimme durch seinen Körper rauschen fühlen wollte.

Aber er sagte nichts. Tatsächlich tanzte er irgendwann nicht einmal mehr wirklich. Er kitzelte mit seinem Atem Louis' Nacken und ließ den seinen Hintern kreisen lassen.

Die heutige Nacht war magisch. Alles war möglich und sie ging unendlich lang.

So, jetzt ist aber genug.
Bis morgen.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt