Kapitel 43 - Kümmern

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Nachdem Louis wieder klar wurde, dass er keine Ahnung hatte, wo man hier am einfachsten Lebensmittel her bekam, klingelte er bei Niall und hatte so direkt eine eigene Live-Berichterstattung dabei. Niall war ganz offensichtlich auch neugierig, wie Louis es in Harrys Wohnung geschafft hatte, aber er fragte nicht nach. Niall schien, was das anging, sehr strikt zu sein: "Du kannst mir alles erzählen. Aber ich frage nicht."
Louis musste gestehen, dass er das gerade  ausgesprochen angenehm fand. Und er hörte sich ja auch gern Geschichten über gefärbte Haare, aber ungefärbte Bärte und Augenbrauen und wie interessant das den Träger machte, an.

"- da sollte man dann schon drauf achten. Es gibt halt so Farben.. also die sehen eigentlich nur an Karotten gut aus. Also außer natürlich man heißt Sylvia und lebt wie Heidi - dann kann man alles tragen und es sieht gut aus. Aber dafür braucht man halt auch so eine Ausstrahlung. - Achtung, Mülleimer - und wenn man das dann noch mit braun oder blond komibiniert... Das beißt sich. Du siehst einfach unstimmig aus. Und wenn dann noch ein Ansatz daher guckt - Oma mit Rollator auf zwölf Uhr - ja, dann hast du es geschafft. Was brauchts kranke Küken denn?", fragte Niall dann und Louis brauchte eine Sekunde, um die verschiedenen Gesprächsthemen auseinander zu basteln, während er halb in die Oma lief.

"Äh... Entschuldigung. Der braucht alles."
"Oh, so gehe ich gern einkaufen. Gut, dass du mich mitgenommen hast."
"Äh....dann... Gerne?"
"Das heißt Danke."
"Hä?"
"Na, irgendwie willst du den Kram doch auch mitkriegen und du hast keinen Bollerwagen bei. Ich bin gut im Sachen tragen."
"Danke, Niall.", seufzte Louis und musste den Iren einfach einmal an sich drücken.

"Awww. Mäuschen. Gern. Jetzt los lassen. Unter drei Sekunden können noch alle denken sie hätten einen Knick in der Pupille."
"Hä?"
"Gibt auch hier Leute, die ein Problem mit Körperkontakt zwischen zwei Menschen des gleichen Geschlechts haben. Das darf nicht sein und die Reaktion darauf auch nicht, aber ich kenne Paare, die Hand in Hand aus der Wohnung gehen und die Hände los lassen, sobald sie auf die Straße treten. Aus Angst. Kleiner, du bist neu im Gay-Business. Aber du musst vorsichtig sein, ja?", fragte Niall, als würde er einem Kind erklären, dass es an der großen Straße anfassen musste.

"Das ist gruselig."
"Ja. Es ist auch nicht überall gleich. Aber... Vorsicht ist besser als Nachsicht. Also im Zweifelsfall... Ne knappe Umarmung ist okay, wenn man danach wieder einen Meter Abstand nimmt und sich bestenfalls gerade erst getroffen hat. Zunge in Hals oder in anderen Körperöffnungen - lieber hinter zuen Türen."
"Haha. Doofi."
"Immerhin lächelst du jetzt wieder.", grinste Niall, schnappte sich einen Einkaufswagen und schob fröhlich, wie kaum ein Mensch Abends den Einkaufswagen durch die Gänge.

"Ich weiß gar nicht, was der gern mag... So wie sein Bauch aussieht, vermutlich Watte in Orangensaft oder so...", murmelte Louis, packte schnell eine Packung Chips ein und dann zum Ausgleich noch Spinat.

Niall war keine große Hilfe. Der packte einfach aus jedem Regal etwas in den Wagen.
"Mach ich immer, wenn einer nichts mehr hat. Dann hat er von allem etwas."
"So gesehen.."

-

"Wir haben einen Laden zu Hause. Und wenn wir trotzdem Mal wohin müssen, dann nehmen wir das Auto. Mit Kofferraum.", murmelte Louis entschuldigend, als ihre sechste Tüte pickepackevoll war.
"Ach, schon gut. Alle halten uns jetzt für reich.", grinste Niall stolz und schnappte sich ohne zu Murren, was er tragen konnte. Er selbst hatte für sich auch was eingekauft. Aber das passte sehr exakt in seinen Rucksack.

-

"Also, ich wünsche dir viel Spaß mit der Bazillenschleuder da drin. Wir sehen uns bestimmt morgen Mal?", fragte Niall.
"Wenn er mich nicht vorher raus schmeißt..."
"Ja, gut. Sonst halt vorher. Aber ich glaube nicht, dass der das macht..."
"Wieso?", fragte Louis, einfach, weil ihn solche Gespräche erheiterten.

"Weil es leichter ist, eine Tür nicht zu öffnen, als sie wieder zu zu schlagen.", schmunzelte Niall, drückte Louis, gab ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand in seiner Wohnung, während Louis nach und nach die Tüten in die Küche räumte und einfach Mal alles irgendwie weg packte, damit nichts herum stand. Hoffentlich würde Harry alles wieder finden, bevor es Kinder bekam.

Der schlief artig auf dem Sofa und wurde immer wieder von heftigen Hustenanfällen geschüttelt. Den Tee und auch die Suppe hatte er nun immerhin zu sich genommen.

Also entschwand Louis wieder in die Küche und mixte Harry einen Green Smoothie. Das Rezept hatte er sich eben extra ergoogelt und Harry hatte tatsächlich sogar sowas ähnliches wie einen Mixer.
Anschließend räumte Louis noch das Bad auf und putzte es durch. Das hatte es dringend nötig gehabt. Nicht, dass Harry hier am Ende noch ganz eigene Keimstämme züchtete.

So hatte Louis schließlich Harrys komplette Wohnung aufgeräumt, geputzt und gelüftet. Um die Wäsche hatte er sich auch noch gekümmert und selbst den Müll hatte er runter gebracht und damit Harrys Rotzfahnenarmee aus der Wohnung verbannt.
Er hatte seine Eltern manchmal verflucht, weil er überall mit ran musste, aber gerade war er fast schon dankbar, weil ihn das alles zumindest nicht überforderte. Im Gegensatz zu einem falschen Blick von Harry wohlgemerkt.

Ganz vorsichtig weckte er den irgendwann ein wenig, damit der nochmal was trinken konnte.

"Immernoch hier?", krächzte der und Louis konnte der Stimme nicht wirklich entnehmen, welche Emotion dahinter steckte.

"Ja. Hier ist Hustensaft. Und ich hab dir Erkältungsbalsam mitgebracht. Du kannst es dir auf die Brust und den Rücken schmieren und-"

Und dann kippte Harry sich den Inhalt des kleinen Becherchens einfach in den Hals und zog sich seinen Pullover aus und sah auffordernd zu Louis.
Der schluckte einmal, schmierte sich etwas von der Creme auf die Finger, wärmte sie mit seiner Körperwärme auf und begann sie dann auf Harrys Oberkörper zu verteilen.
Der hatte entspannt die Augen geschlossen und ließ Louis machen.

"Ich hab dir einen Smoothie gemacht. Ich weiß nicht, ob du das magst und wenn nicht-"
"Gib her."

Louis war aufgeregt. Er selbst mochte reine Fruchtsmoothies, aber sobald ein Gemüse dran vorbei gelaufen war, war das nicht mehr so sehr seins. Er selbst würde den Smoothie, den er Harry zusammen gepanscht hatte, also nicht mögen.

Aber der trank das Zeug tatsächlich und scheinbar nicht ungern.

Louis überlegte, was er jetzt machen sollte. Er hatte sich halt auch von der Situation, in der er sich befand, ablenken wollen. Und dann stellte Harry das leere Glas ab, griff nach Louis und platzierte ihn so auf dem Sofa, dass er seinen Kopf auf dessen Bauch legen konnte.
Naja, Kopfkissen sein, was ein schöner Job, fand Louis und strich Harry leicht durch die Haare, der sich die Decke wieder bis zur Nase hoch zog und die Augen schloss.

Tja... Harry ist wohl halb im Delirium...
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt