Kapitel 46 - So oder so

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Sie verbrachten den Tag komplett gemeinsam und auch in der Nacht hielt Louis gern wieder als Kuscheltier her. Er traute sich nicht auf sein Handy zu sehen. Heute Abend war Fußball. Harry war eigentlich wieder fit. Hustete mal noch. Aber das Fieber war weg und er fühlte sich auch nicht mehr so schlapp. Wieder überlegte Louis ob er gehen sollte.

Und dann spürte er Harrys Schwanz an seinen Po gedrückt und kurz darauf dessen Lippen an seinem Hals. Zuerst überlegte Louis noch, ob das so eine schlaue Idee war. Aber es abzulehnen wäre eine doofe Idee. Da musste er nicht drüber nachdenken. Also...

Er folgte Harrys Hand an seiner Hüfte und drehte sich auf den Rücken. Schneller als er gucken konnte war Harry über ihm. Küsste ihn und obwohl der zweifelsohne noch angeschlagen war, schien er voll bei der Sache. Und gab Louis damit wieder genau das, was den bei ihm bleiben ließ. Seine volle Aufmerksamkeit. Ein Stück weit sich selbst. Für den Moment. Einen Moment Unsterblichkeit. Eine Auszeit von allem.

Louis wusste nicht, ob Harry wusste, was er ihm bedeutete. Er wusste nicht, ob der das mit Absicht machte. Ob das mit ihnen etwas besonderes war. Er wusste gar nichts. Und für den Moment war das auch alles nicht so wichtig. Denn es ging um diesen Moment. Und den wollte er nicht verderben.

Er hieß Harrys Zunge in seinem Mund willkommen. Genoss es, wie er sie in seinem Mund bewegte, als gehöre er ihm. Tat er das? Sein Mund nicht. Aber sein Herz...

Als Louis merkte, dass er zu viel nachdachte, schlang er seine Arme zusätzlich um Harrys Hals und ließ sich fallen. Konzentrierte sich nur noch auf dessen Atmung und dessen Zunge in seinem Mund, dessen Körper auf sich. Nicht nur den Druck, sondern auch die Wärme.

Von ganz allein fingen seine Hände an, sich an Harrys Körper herab und dann unter dessen Pullover zu schieben. Er streichelte die nackte Haut und sein Atem wurde merklich kürzer. Wenn ein Kuss einem den Atem raubte, eine Berührung einen in Flammen setzte und ein Herzschlag einem die schönste Musik war...

Harry löste sich aus dem Kuss, stützte sich auf den Ellbögen ab und  schob Louis' Shirt hoch. Der verstand sofort und zog es sich aus. Harrys Oberbekleidung folgte.
Die Jogginghosen und Unterwäsche schob Harry bei der Gelegenheit auch gleich herab, während er Louis viele kleine Küsse gab und ihn so völlig für sich einnahm.

Louis selbst trat seine Beinbekleidung aus. Wollte sie unbedingt los werden. Wollte Harry Haut auf Haut spüren. Legte seine leicht zittrigen Hände um dessen Nacken. Streichelte daran entlang. Sein Atem kam stoßweise zwischen all den Küssen hervor.

War es anders, als die Male davor? Hatten die letzten Tage sie einander auf einer spirituellen Ebene irgendwie näher kommen lassen? War da nun plötzlich eine Verbindung zwischen ihnen, weil Louis sich um Harry gekümmert hatte? Louis würde es sich wohl wünschen.
Allerdings war der aktuelle Sex mit Harry immer der Beste gewesen. Es war das Gesamtpaket. Harry wusste mit seinem Schwanz umzugehen und war ein aufmerksamer und einfühlsamer Liebhaber. Er sorgte dafür, dass auch Bottom definitiv auf seine Kosten kam. Aber das allein machte den Sex nicht aus. Das hatten Zayn und Liam schließlich auch gemacht. Es war... Es war dieser Blick. Wenn du auf dem Rücken liegst, deine Beine von ganz allein spreizt und den anderen am liebsten in dir festhalten möchtest, ihn nie wieder gehen lassen willst und sich dann die Blicke begegnen und sich gegenseitig festhalten... Es hatte etwas vulnerables und Starkes gleichzeitig. Wenn man jemanden in dem Moment, wo derjenige einen voll ausfüllte tief in die Augen sah und dieser jemand den Blickkontakt hielt, dann zeigte man sich selbst mehr voneinander, als man es jemals bei der Betrachtung des Körpers könnte.

Louis wusste nicht, was er da sah. Er wusste nichts über Harrys Vergangenheit oder über dessen Pläne für die Zukunft. Er wusste nichts von dessen Träumen und was ihm Angst machte. Louis wusste eigentlich gar nichts. Aber ihm gehörte die Gegenwart. Dieser Augenblick und der Blick und diese Augen.

Er war schon vorher verloren gewesen. Verloren in seinen Gefühlen zu Harry. Und er hatte nichts lieber getan, als sich darin zu verlieren. War aus seinem sicheren Leben mit all der Planbarkeit gesprungen, um sich zu verlieren. Sich frei bewegen zu können. Losgelöst von allem. War man da verloren? Das war wohl eine Frage der Perspektive. Aber... Louis' Fixpunkt war, seit er ihn kennengelernt hatte, Harry gewesen. Ob das nun besonders gesund oder schlau war, stand auf einem anderen Blatt. Aber... Wie konnte man denn verloren sein, wenn man die ganze Zeit diesen Fixpunkt hatte. Einen Leuchtturm. Es reichte ein ganz kleiner Lichtpunkt, um die Dunkelzeit zu unterbrechen. Sie aufzulösen. Und Harry war nicht ein kleiner Lichtpunkt für Louis. Er war Abertausende von Sternen.

Der Blick jetzt gerade, in diesem Moment, in Harrys Augen ließ ihn in dem Meer der Gefühle ein Floß bauen, welches zu einem Schiff wurde. Mit starken Segeln und einem Motor. Mit einem Kompass und einem Fernglas an Bord.

Egal, was du machst. Ich werde dich nicht allein lassen. Lieber möchte ich von dir zerstört werden, als von dir getrennt. Wir schaffen das. Zusammen. Andere müssen unseren Weg nicht verstehen und auch nicht gehen. Aber solange kämpfen leichter ist als Augeben, werde ich hier sein. Und es wird immer leichter sein. Weil ich dich niemals aufgeben möchte. Ich müsste dafür die Zeit zurück drehen können, und mich dazu bringen, in eine andere Richtung zu sehen, als wir uns begegneten. Um dich niemals zu sehen... Aber..  wie traurig wäre ich, wenn ich dich nicht kennengelernt hätte? Diese Seite von mir selbst nicht kennengelernt hätte, die nur du hervor locken kannst? Ich will dich nicht ändern. Ich liebe dich so, wie du bist. Nur eine Null hat keine Ecken und Kanten. Ich liebe dich genau so. Alles was ich mir wünsche ist, dass du dich nur einmal mit meinen Augen sehen könntest. Denn dann würdest du dich selbst nicht mehr so sehr ablehnen können. Wie kannst du die Dunkelheit sein, wenn nichts in meinem Leben so sehr strahlt wie du?

Ihr Blick blieb verhakt, auch als sie kamen. Es war pur und Louis wusste, selbst wenn das hier nicht richtig war und selbst, wenn er sich selbst zerstörte, naiv und dumm war und selbst wenn Harry nicht das war, was er in ihm sah und das hier wie ein Sprung lachend in eine Kreissäge war: sich in Harry zu verlieben war keine bewusste Entscheidung gewesen, die er willentlich getroffen hatte. Vernunft und Verstand hatten von Beginn an nichts damit zu tun gehabt. Die Liebe war da. So oder so.

Tja... Wie Harry das wohl sieht?
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt