Kapitel 45 - Weich oder stärker als man denkt?

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Harrys Blick brannte sich förmlich in seinen Nacken, als er da in der Küche weiter herum handtierte. Nur nicht umdrehen. Aber Harry verhielt sich ruhig, mal abgesehen davon, wenn er hustete, sich die Nase putzte oder ähnliches.

Das Frühstück verlief ziemlich still. Harry beobachtete Louis die ganze Zeit, als würde er über etwas scharf nachdenken.

"Also, willst du einen Tee und wieder aufs Sofa?", fragte Louis, als sie beide nur noch ihre Brötchenkrümel auf den Tellern hin und her schoben.

"Warum machst du das?", fragte Harry und legte den Kopf leicht schief.
Louis spannte sich an. Das war's dann wohl. Aber er sagte sich sofort, dass er das hier gut gemacht hatte und er ein "Danke" und keinen Rausschmiss verdient hätte.

Vielleicht lag es an diesen Gedanken, dass er selbstbewusster, als er jemals war zur Butter sprach, weil er sich dann doch nicht traute, Harry dabei in die Augen zu sehen: "Weil du jemanden gebraucht hast. Und ich da war."
"Da war? Wohnst du nicht ewig weit weg?"
"Zwei Stunden mit dem Zug."
"Das ist wohl kaum da sein..."
"Du hast Niall aber nicht aufgemacht. Und..  ich hab mir Sorgen gemacht."
"Ich bin kein Sozialprojekt, weißt du?"
"Super. Ein Danke hätte es auch getan.", murmelte Louis bitter und stand auf. Er würde jetzt seine Sachen packen und nie wieder her kommen, überlegte er.

Im Schlafzimmer sammelte er kurz seine sieben Sachen zusammen und bückte sich gerade im Flur, um seine Schuhe anzuziehen, als sich ein Schritt gegen seinen Hintern drückte und ihn damit zum vorn über purzeln gebracht hätte, wenn ihn nicht im richtigen Moment Hände an der Hüfte festgehalten hätten.

"Was denkst du, was du da tust?", fragte Harry und Louis war sich nicht sicher, ob der nur so rau klang, weil der nebenbei einen total belegten Hals hatte oder doch wegen etwas anderem.

"Du hast doch quasi gesagt, dass ich gehen soll."
"Und ich bin gern Bottom."
"Hä? Willst du mich verarschen?"
"Wer hat denn angefangen? Ich hab nichts in die Richtung gesagt.", brummte Harry und zog Louis wieder mit ins Wohnzimmer.
Wo war dessen Plan mit dem Gehen und nicht zurück kommen hin? Keine Ahnung. Louis dackelte jedenfalls brav mit.

Und dann? Schob Harry ihn aufs Sofa, legte sich daneben und deckte sie beide zu.
Louis hätte eigentlich so rund zweihundert Fragen im Kopf, aber traute sich nicht, auch nur eine zu stellen. Er wollte nicht, dass sich noch so ein..  Missverständnis ergab.

"Ich habe gesagt, dass ich kein Sozialprojekt bin. Ich bin nicht der Gute, Louis. Ich bin egoistisch. Ich nehme mir, was ich will. Ich tue, was ich will. Und ich mache nicht die Dinge, die richtig sind. Klar?"
"Ja."
"Also: warum bist du hier?", fragte Harry und drehte Louis' Kopf am Kinn so zu sich, sodass der ihm in die Augen gucken musste.

Louis starrte genau in seine grünen Augen und sprach ganz klar: "Weil ich will."
"Wieso? Ich habe dich gewarnt."
"Ja."
"Aber?"
"Aber... ", murmelte Louis nervös und schluckte einmal. Erst dann fuhr er stockend fort: "Ich mag es, wie du mich ansiehst. Als würdest du mit mir reden oder mich verschlingen wollen. Beides ist okay. Ich mag mich selbst lieber in deiner Nähe... Ich... Ich habe das Gefühl, dass du auf mich achtest und auf mich aufpasst... immer... Und... Wie könnte ich das hier dann nicht wollen?"
"Du bist so weich... Ich werde dich kaputt machen... Und du hilfst mir auch noch dabei..."
"Vielleicht bin ich auch stärker, als du denkst."
"Vielleicht...", murmelte Harry noch, zog Louis in seine Arme und schloss die Augen. Louis wollte nur zu gern wissen, was dem passiert war. Wieso er glaubte, so verdammt schlecht zu sein und scheinbar jegliche Art von langfristiger Beziehung, egal ob romantischer oder freundschaftlicher Natur so sehr ablehnte. Wieso glaubte Harry scheinbar, dass er dazu naturgegeben nicht  fähig war? Oder es nicht verdient hatte?
Louis wusste, dass Stan eine latent andere Meinung darüber hätte. Aber, wenn Louis an den Orgienabend dachte, dann sah er vor allem einen Harry, der ihn nicht allein ließ. Weder wegen der Wirkzeit der Droge, noch hinterher beim Runter kommen. Louis hatte sich beschützt und umsorgt gefühlt. Harry hatte darauf geachtet, dass er viel von diesem Saft trank, Harry war die ganze Zeit über sein Fixpunkt gewesen. Und angesichts dessen, dass er sich nicht... Auf eine negative Weise unter Drogen gesetzt...  fühlte, war für ihn im Nachhinein genau das präsent. Geiler Sex, enthemmt, aber wissend, dass jemand da war, der einen schützte und auf einen aufpasste. Und dieser jemand war nun einmal Harry gewesen. Er hatte ein warmes Gefühl (und einen begeistert kribbelnden Schwanz) wenn er daran dachte.

Er spürte Recht schnell, wie Harry, auf dessen Brust sein Kopf lag, einschlief. Er wusste, dass der Größere ihn hier haben wollte, weil der krank offenbar doch nicht allein sein wollte. Und wenn er wieder fit wäre, würde Harry vermutlich wieder alles tun, um seinem selbst aufgebauten Ruf nachzukommen. Louis glaubte von sich selbst, naiv zu sein. Aber er war zumindest soweit, zu verstehen, dass ein frisch genesener Harry ihm nicht die ewige Liebe gestehen würde. Und seltsamerweise war das okay. Vielleicht war er wirklich masochistisch veranlagt. Vielleicht half er Harry wirklich dabei, sich zu zerstören. Vielleicht würde er Harry niemals retten können und daran zu Grunde gehen, dass er es so gern wollte. Aber... Es fühlte sich richtig an, hier zu sein. Es war das Schönste Gefühl, wie Harry ihn nicht gehen lassen wollte. Wie er ihn aufgehalten hatte. Balsam für die Seele.
Vielleicht war Harry toxisch. Nicht fähig ihn los zu lassen, aber eben auch nicht in der Lage ihn so zu behandeln, wie er das bräuchte. Aber... Wie bräuchte Louis das denn? Und was erwartete er von Harry? Oder was wünschte er sich von Harry? Louis wusste das selbst nicht genau. Oder? Doch. Er wollte derjenige sein, den Harry Nachts um drei anrief, den Harry, wenn er ein Problem - egal welches - hatte, teilhaben ließ. Wei Louis jemand für Harry sein wollte. Jemand, auf den Harry sich verlassen konnte und den er nicht durch sein Verhalten vertreiben konnte. Vielleicht konnte Louis Harry nicht retten. Vielleicht liebte er Harry wirklich so sehr, dass er ihm hallf, sich kaputt zu machen bei dem Versuch, Harry zu retten. Vielleicht, nur vielleicht, würde er Harry aber auch gar nicht retten müssen. Vielleicht könnte er ihm einen Grund sein, sich selbst retten zu wollen...

Joa. Was denkt ihr?
Ich hab mir mit dem Kapitel jetzt übrigens tagelang einen abgebrochen und bin immer noch nicht zufrieden 🥺. Das nächste wird hoffentlich wieder flüssiger, entschuldigt bitte.
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt