Kapitel 36 - Was man will

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"Du kannst ihn mitnehmen.", wandte Harry sich ab und ging ins Schlafzimmer.

"Hey Louis... Na? Kommst du wieder mit? Wir haben dich vorhin ein bisschen vermisst.", stupste Niall Louis an, der einen Moment brauchte, um wieder im hier und jetzt anzukommen.

Irritiert sah er sich um.
Dann wusste er wieder wo er war, sah Niall an und seine Gesichtsfarbe intensivierte sich ins schönste Tomatenrot.

"Keine Sorge. Das hier war der erste Ort, wo ich außerhalb meiner Wohnung gesucht habe. Wenn du verstecken spielen wolltest, hättest du dir etwas mehr Mühe geben müssen. Ich hab dich ja sofort gefunden. Wusste ja genau, dass ich das Wohnzimmerfenster nicht aufgelassen habe. Jetzt müssen wir aber dringend rüber. Zayn und Liam haben Sorgen, dass du wegen ihnen geflohen bist.", plapperte Niall und erschlug Louis ein bisschen mit seinem Redeschwall.

Louis erhob sich und wickelte sich peinlich berührt mit der Decke ein.

"Ähm... Ich gehe mich noch kurz verabschieden, okay?", fragte er Niall.

"Klar, klar. Ich warte so lange hier. Die Wandfarbe sandbeige hier ist übrigens sehr in. Man sieht das total gut, weil sie so eine-"
Louis ließ Niall ein wenig stehen und betrat das Schlafzimmer.

Harry lag da. Hatte die Augen geschlossen. Toll. Er hatte ihn offenbar einfach im Wohnzimmer liegen gelassen. Vielleicht wollte er Louis nicht so nah bei sich haben. Wahrscheinlich war das so.

Ein bisschen machte Louis dieser Umstand sehr traurig.

"Schlaf gut. Ich bin dann weg....", murmelte Louis, aber Harry regte sich nicht. Vielleicht war es ihm auch einfach egal...

Louis ging mit rüber und erklärte dort mit roten Bäckchen, was er nicht so gut erklären konnte. Manchmal ging man nicht von etwas weg, sondern zu etwas anderem hin. In dem Moment, als er Harry gesehen hatte, hatte er über Zayn und Liam nicht mehr nachgedacht. Aber das wollte er denen jetzt ja auch nicht so sagen.

"Also... Das gestern Nacht... Das war toll... Wirklich sehr toll...", stammelte Louis, während Niall herzhaft in sein Brötchen biss.

"Ähm... Ich wollte auch eigentlich heute morgen nur frische Luft schnappen.", haspelte Louis.
Zayn grinste breit und erklärte: "Ach, wer kennt es nicht? Man schnappt frische Luft, rutscht aus, und zack spießt man sich auf einen Schwanz auf. Immer noch besser als aufgeschlagene Knie. Alles gut, Louis. Wir verstehen dich. Du bist eben verknallt."
Louis atmete tief durch. Sie verstanden ihn. Sie waren nicht verletzt, traurig oder sauer.

"Ey, was hast du denn gedacht?", lachte Liam und knuddelte Louis einmal durch.
"Wir hatten nur heute morgen ein bisschen Schiss, als zu plötzlich weg warst.", erklärte Zayn und ergänzte: "Dass du eine Sinnkrise hast und deshalb abgehauen bist. Nackt."
"Oh..nee..  hatte ich nicht.", erklärte Louis, der sich, nachdem der Kloß aus seinem Hals verschwunden war an ein Brötchen wagte.

-

Tatsächlich begannen sie, Nialls Wände zu streichen. Also nachdem sie Möbel herum gerückt und alles abgeklebt hatten. Louis strich an sich gern. Nur die Vor - und Nacharbeiten hasste er.

"Harry hat schon was vor. Hab gefragt ob er heute Abend mit will zum Essen.", erklärte Niall, der allen einen Zeitungshut aufgesetzt hatte.

Gerade hockte Louis auf Liams Schultern und pinselte ganz oben herum. Bücken wollte er sich lieber nicht.

Er sagte nichts dazu. Wahrscheinlich würde Harry heute Abend den nächsten Kerl bei sich haben. Aber hey, er musste ja nicht genau so sein wie seine große Liebe. Und er hatte sich ja gestern bewiesen, dass er auch mit anderen Spaß haben konnte. Liam und Zayn hätten auch nichts gegen eine Wiederholung. Das hatten sie beim Frühstück direkt gesagt. Und Louis war ja auch nicht abgeneigt. Natürlich war es etwas anderes, wenn das Herz nicht so richtig bei der Sache war. Aber.. er wollte nicht hier sitzen und auf Harry warten. Warten war an sich schon doof. Aber warten auf einen Zustand, von dem man ausging, dass er nie eintreffen würde... Das war grausam. Und auch wenn Louis wohl ein Stück weit zu Selbstzerstörerischem Verhalten, was Harry anging, neigte, ging das dann doch ein Stück zu weit.

Der Abend war toll. Das Essen war sehr lecker und Liam mochte die Oliven, die Louis verschmähte. Es war ein lustiger und unbefangener Abend und keiner hatte mehr groß den Drang noch weiter zu ziehen. Das Streichen hatte eben auch doll geschlaucht.

Liam und Zayn verabschiedeten sich nach dem Essen. Sie wollten die kommende Nacht zu Hause verbringen, aber es war klar, dass Louis sie in nicht allzu ferner Zukunft Wiedersehen würde.

Und so gingen sie zu zweit zurück. Niall erzählte etwas über verschiedene Haarfärbemittel und wieso es besser war, wenn Shampoo nicht nach Früchten roch.

Louis hörte etwas halbherzig zu. Aber er mochte Nialls Stimme, die scheinbar permanent zu hören war. Wie eine Art Hintergrundmusik.

Als er dann im Bett lag und jemand von der anderen Seite der Wand ständig dagegen hämmerte und laut herum stöhnte, war das hingegen keine Musik in seinen Ohren.
Es verletzte ihn. Und er fand es unverschämt, so vom Schlafen abgehalten zu werden. Und die mussten irgendwas eingeworfen haben. Bei der Ausdauer...

Lange sah Louis sich noch in diversen Onlineshops im Handy um und vertrieb sich so etwas die Zeit. Bis es dann, fast drei Stunden später, endlich ruhig war und er schlafen konnte. Wieso vögelte Harry nicht zur anderen Seite des Hauses? Sollte er die Nachbarn da um ihren Schlaf bringen.

Man fühlte sich schon etwas einsam, wenn man da so allein lag, während er neben an so was machte.

Am nächsten Morgen trat Louis wieder ans Wohnzimmerfenster und öffnete es. Wieder betrachtete er die Passanten, wobei das heute, Sonntag, weniger waren als gestern.

"Hi.", sprach eine nur allzu bekannte Stimme von nebenan. Harry saß, wieder nur in Unterwäsche auf der Fensterbank.

Louis sah ihn nur kurz an und schloss dann das Fenster wieder. Von innen. Bevor er doch wieder schwach werden konnte. Er würde Harry wohl helfen, sich zu zerstören. Aber er wollte nicht die Hauptarbeit machen. Vielleicht sollte er sich von ihm verabschieden. Sich einen netten Jungen suchen, der... Der sein Herz haben wollte und der sich darum kümmern würde. Vielleicht würde er es jemanden schenken können... Auch wenn dieser jemand nicht Harry war?

Louis ging in die Küche. So entging ihm, wie Harry sich selbst zunickte.

Jups, was ist denn da los?
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt