Kapitel 44 - Angst

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beyouself alles Gute zum Geburtstag nachträglich 😅😅

Louis hatte gar nicht richtig mitbekommen, dass er selbst irgendwann eingeschlafen war. Harry hustete zwar, aber irgendwie hatte ihn das trotzdem nicht so wirklich gestört. Dafür knackte sein Nacken ordentlich, als er aufwachte und alles dunkel war. Irritiert sah er sich soweit möglich im Dunkeln um. Durch das Fenster strahlten die diffusen Lichter der Stadt zu ihnen hinein und tauchten alles in ein seltsam unwirkliches Licht.

Harry lag noch immer mit seinem Kopf auf ihm. Es sah nicht so aus, als habe der sich seit Louis' etwas ausgeartetem Nickerchen groß bewegt.

"Hey Harry... Du solltest ins Bett gehen...", hauchte Louis und strich Harry durch die Haare.
Der gab nur ein grummelndes Geräusch von sich. Es war schwer zu sagen, ob das eine Zustimmung sein sollte oder nicht oder vielleicht auch etwas ganz anderes bedeutete.

"Komm schon. Im Bett hast du es bequemer."
"Kommsu mit?"
"Oh, wenn ich darf-"
"Musst.", brummte Harry, schlug die Decke zurück, stand auf und zog Louis mit ins Bett.

Es war einfach herrlich in so ein frisch bezogenes Bett zu kriechen, wenn man total müde und verpennt war.
Sie lagen mit einigem Abstand da. Louis traute sich nicht, sein Glück überzustrapazieren und murmelte nur noch ein "Gute Nacht". Er ging davon aus, dass Harry eh längst wieder schlief und drehte sich daher auf die andere Seite.

Es war wirklich gemütlich und Louis fühlte sich wohl. Und dann spürte er Bewegungen im Bett und dann, wie Harry sich von hinten an ihn schmiegte, sich dessen Arme um ihn schlossen und dessen Kopf so dicht an seinem lag, dass Harrys Atem sein Ohr kitzelte.
Es gab eine Steigerung von wohl fühlen. Eine, bei der man so glücklich war, dass man sich das Lächeln nicht aus dem Gesicht wischen konnte und bei der die Zehen anfingen zu wackeln. Eine, bei der man die Augen schloss, weil man nichts anderes wahrnehmen wollte, als dieses Gefühl. Genau dieses Gefühl erlebte Louis gerade, während er so, mit Harry zusammen, kuschelig unter der dicken Bettdecke eingemummelt war. Er wollt dieses Gefühl voll auskosten und wollte es als Erinnerung in seinem Kopf behalten. Besonders, weil er nicht wusste, wie Harry sich verhalten würde, wenn er erst wieder gesund wäre.
Aber irgendwann schlief dann doch auch er wieder ein.

Als Louis am nächsten Morgen wach wurde, lag er allein im Bett und beinahe erinnerte es ihn an den ersten Morgen, an dem er in diesem Bett aufgewacht war. Nach nur einem Augenblick schon wollte sich sein Herz schmerzhaft zusammen ziehen, weil Harry wieder einfach so gegangen war. Aber dann hörte er den im Badezimmer herum husten und sich die Nase putzen. Selten hatte er so gern jemanden husten gehört.

Er entschloss, sich einfach schlafend zu stellen und schloss die Augen wieder, während er auf jedes Geräusch lauschte.

Nach einer Weile verließ Harry das Bad und kam tatsächlich zurück ins Schlafzimmer. Er legte sich auf seine Bettseite und Louis wünschte sich so sehr, er würde sich wieder so an ihn kuscheln, wie in der letzten Nacht.

"Ich weiß, dass du wach bist.", krächzte Harry dann aber.
"Wieso?", fragte Louis und ließ seine Augen geschlossen, weil es ihm zu peinlich war, sie zu öffnen.

"Du atmest anders."
"Oh. Wie geht's?"
"Etwas besser."
Louis schwieg. Sollte er dann jetzt wohl gehen? Er wollte das nicht so gern. Unsicher schwieg er einfach Mal.

"Musst du heute wieder los?", fragte Harry nach einem Moment.
"Nur wenn ich soll...", murmelte Louis und kam sich vor wie ein Haustier, dass gerade zum Tierheim gebracht wurde.

"Kannst du was zu Essen machen? Mir wird noch schwindelig, wenn ich aufstehe."
"Klar.", murmelte Louis, stolperte aus dem Bett, machte einen Abstecher ins Bad und ging in die Küche. Wie praktisch. Wenn man selbst eingekauft hatte, wusste man auch was da war.

Für Harry kochte er noch schnell einen Tee und brachte ihm den sogar ans Bett. Der war schon wieder am Dösen. Aber da der Tee noch viel zu heiß zum Trinken war, akzeptierte Louis das einfach Mal und wandte sich wieder dem Frühstück zu.
Allzu aufwändig war das nun auch nicht. Er hatte Aufbackbrötchen besorgt, die im Ofen vor sich hin bräunten und schnippelte Tomaten und Mozzarella in Scheiben. Zusammen mit Pesto liebte er das auf jegliche Art Brötchen. Harry mochte das hoffentlich auch.

Er überlegte bereits, wie er den gleich am Besten wecken könnte, als Harry mit seinem Tee in die Küche kam und sich irritiert umsah, wobei der sich in eine Decke eingewickelt hatte, was ihn ein wenig wie einen Pinguin aussehen ließ, weil nur unten die Füße heraus guckten, die in dicken roten Socken steckten.

"Oh.", machte er.
"Ich hab nur...", Louis brach ab und fühlte sich reichlich dämlich. Er hatte Harry ja nicht gefragt ob er putzen durfte und so. Vielleicht war dem das jetzt voll unangenehm und er war sauer, weil Louis so sehr in seinen persönlichen Bereich eingedrungen war? Das eigene Chaos und der eigene Dreck waren ja schon eine sehr intime Sache...

"Dann hast du auch Essen gekauft...", murmelte Harry und sah in den Backofen.
"Äh.. ja. Ein bisschen...", stammelte Louis und holte schnell die Brötchen aus dem Ofen. Er öffnete den Kühlschrank und holte seine Zutaten heraus. Dabei ignorierte er Harrys hochgezogenen Augenbrauen angesichts dessen, dass der Kühlschrank komplett voll war.

Louis traute sich nicht wirklich etwas zu sagen, weil er Angst hatte, Harry damit einen Grund zu liefern, ihn wieder vor die Tür zu setzen und auch wenn der krank war und nicht sehr gesprächig, genoss er dessen Nähe einfach zu sehr. Sie frühstückten und Harry zog ihn wieder mit aufs Sofa. Ging es dem vielleicht genau so? Fand er es auch schön, ihn als Gesellschaft zu haben? Oder überhaupt Gesellschaft? Weil... Harry fragte nicht, ob er mit aufs Sofa kam oder so. Er zog ihn einfach mit sich und legte Louis' Hand in seine Haare, damit der ihn wieder kraulte. Er schien die Ruhe zwischen ihnen zu genießen. Louis' bloße Anwesenheit. Aber... Louis fragte sich, wieso Harry war, wie er eben war. Wieso so viele Menschen ihn wollten, aber wenn er krank war, war er allein. Und wieso Harry scheinbar genau dann jemanden brauchte, aber Nähe sonst nur bis zu einem gewissen Grad ertragen konnte. Louis wusste es nicht. Aber diese Zeit jetzt gerade, machte Harry für ihn nur noch interessanter.

Tja, so langsam geht es mit Harry wieder bergauf. Ne Vermutung, was er machen wird? Oder auch Louis?
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt