Kapitel 16 - Konstrukte

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Ente essen mit den christlichen Landfrauen. Louis hatte irgendwie gehofft, dass die sie raus schmeißen würden, weil sie weder christlich, noch Landfrauen waren. Aber die freuten sich doch tatsächlich über ihr Engagement. Wo war die Engstirnigkeit des Dorfes, wenn man sie einmal im Leben gebrauchen konnte?

Nun saß Louis zwischen Stan und Maura und alle feierten seinen Einsatz, dass er trotz Halsschmerzen mitgekommen war. Er hatte natürlich keine Halsschmerzen. Aber bevor noch mehr die Knutschflecken und Liebesbisse entdecken konnte, trug er einen Schal und versuchte nun möglichst etwas heiser zu klingen.

"Wie findest du Maura?", flüsterte Stan.
"Hä?", machte Louis abwesend.
"Wie findest du Maura."
"Keine Ahnung. Wie Maura halt."
"Was heißt denn das?"
"Keine Ahnung. Sie ist halt nen Kumpel? Wieso?"
"Mir geht's nicht in den Kopf, wie du plötzlich... Also... Wegen dem Typen?"
"Stan..."
"Na, ich meine gut, ich gebs zu... Ich hab auch schonmal geguckt. Beim Umziehen oder so. Manche haben mich aber zuerst angeguckt. Also ihre... Egal. Und es gibt Typen, bei denen ich denke, dass sie cool aussehen. Aber deswegen-"
"Ich bin halt nicht du."
"Aber wusstest du vorher, dass du auf Kerle stehst?"
"Ich weiß es doch selbst jetzt nicht..."
"Wie jetzt?"
"Ich mag... Ihn..."
"Guck nicht so. Wir haben darüber gesprochen. Wir hassen ihn. Schon vergessen?"
"Stan..."
"Nichts, Stan. Dann lass uns wenigstens nen vernünftigen Typen für dich suchen. Was hältst du von Marius?"
"Deinem Bruder?!"
"Ja?"
"Äh... Ist der-"
"Nö. Nicht, dass ich wüsste. Aber dann wären wir verwandt."
"Äh..."
"Ey! Stan! Louis! Was ist? Kommt ihr mit?", fragte Mick quer über den Tisch.
"Äh? Wohin?"
"Nächstes Wochenende? London?"
"Kommt drauf an. Was machen?", fragte Stan.
"Party?"
"Gucken wir Mal.", antworteten Stan und wandte sich direkt Louis zu.

"Wenn ich könnte, würde ich dir Stubenarrest geben.", zischte er Louis zu. "Was gibt's da zu gucken? Kommt schon!", forderte Paul.
"Ja, wir kommen mit.", sprach Louis einfach kratzig, laut und fröhlich.
Woraufhin Mick sofort sein Bier erhob.

"Die waren ja jetzt auch da.", murrte Oli. Sofort lag die gesamte Aufmerksamkeit bei ihm.

"Ja. Und wir wollen nicht darüber sprechen.", sprach Stan viel zu hektisch, als dass jetzt nicht alle doppelt neugierig wären. Super Klasse.

"Wieso habt ihr denn nichts gesagt? Ich hätte auch Zeit gehabt?", fragte Mick auch sofort.
"War spontan."
"Alter, wenn du Nachts um drei vorbei kommst und Milch für deine Cornflakes schnorren willst, ist das okay, aber das nicht, oder wie?"
"Das war nur einmal!"
"Ja, weil du seit dem immer zu Louis rennst!"
"Der hat halt auch Milch, wenn man sie braucht."
"Der hat ja auch einen Laden."
"Also wir haben auch Milch zu Hause. Wenn das jetzt Grundvoraussetzung ist, damit man am Wochenende mit kann?", merkte Benjamin an.
"Ich erhöhe um Kakaopulver!", rief Frederik dazwischen.
"Hast du das Mädel wieder gesehen?", fragte Oli Stan und sofort lag wieder alle Aufmerksamkeit bei ihm.
"Ja. Ja, habe ich."
"Und du Louis?"
"Äh-"
"Wer war eigentlich der Typ?", fragte Oli dann plötzlich.
"Welcher Typ?", fragte Stan sofort.
"Na, mit dem Louis einen getrunken hat?"
"Wann?!"
"Man auf deinen Geburtstag. Louis hat da mit so nem oben ohne Typen was getrunken."
"Und getanzt...", flötete Paul.
"Getanzt?! Echt?", fragte Stan und Louis fühlte sich, wie die arme Ente auf seinem Teller. Gerupft und gebraten und jetzt verschmäht, weil ihm der Appetit gerade verging. Armer Vogel.

"Ja, aber der konnte das echt mega. Hätte ich mir von dem auch zeigen lassen.", meinte Paul dann achselzuckend.

Louis hatte Angst, gleich einfach umzukippen.
"Kennst du den näher? Könnte man bei dem pennen?", fragte Mick Louis nun ganz direkt praktisch veranlagt.
"Äh... Nein. Kenne den nicht näher."
"Nicht? Wo hast du die Nacht verbracht? Es hieß doch bei nem Typen, den du da kennengelernt hast? Wie viele hast du denn da kennengelernt?", fragte Oli mit zusammengekniffenen Augen.
"Äh. Ich hab-"
"Ist das hier ein Verhör? Bei dem Kerl pennen wir nicht. Fertig.", meckerte Stan.
Louis klinkte sich gedanklich aus dem Gespräch aus. Er wollte das nicht diskutieren. Es war anstrengend. Er musste genau überlegen, was er seinen Eltern erzählt hatte und was seine Freunde nun meinten zu wissen. Und dann war da ja noch ganz tief verborgen die Wahrheit. Und alle drei Varianten durften sich besser nicht treffen...

Alibimäßig zog er sein Handy aus der Tasche.
Er öffnete den Chat. Er hatte ewig überlegt was er schreiben sollte. Denn dass er schreiben würde, hatte schon fest gestanden, bevor er überhaupt wusste, dass er nun die Nummer hatte.
Es hatte irgendwie locker klingen sollen. Aber es hatte herausstechen sollen. Gerade wenn Harry viele solcher Nachrichten bekam, sollte seine nicht eine von vielen sein. Und dann war ihm aufgefallen, was er schon wieder dachte und dass Stan ihn für solche Gedanken vermutlich gern häuten würde.

Louis:
Hey. Tut mir leid, dass ich so schnell weg musste. Aber vielleicht können wir das wann anders fortsetzen?

Er hatte sich davon abgehalten noch Grüße drunter zu setzen, damit es dynamischer klang und nicht wie ein Brief, der einer langen Antwort bedurfte. 
Leider hatte er keine Antwort erhalten. Nichts. Die Nachricht war zugestellt worden. Aber mehr auch nicht.  Seit gestern Abend, zwei Minuten, nachdem Stan gegangen war.

Die ganze Zeit redete er sich ein, dass Harry bestimmt viel zu tun hätte und dass es bestimmt total verantwortungsbewusst war, dass er sich bislang nicht gemeldet hatte. Vielleicht war er unterwegs. Es passierten viele Unfälle, weil man aufs Handy sah.
Okay. Er war jetzt schon über 24 Stunden unterwegs...

"Wenn du am Wochenende mitkommst, werde ich dafür sorgen, dass du nicht wieder Tanzstunden nimmst.", knurrte Stan ihm ins Ohr.
"Du tust so als hätte er sonst was mit mir gemacht."
"Ja. Wie passend."
"Stan..."
"Was?"
"Ich mochte es, okay? Es war vielleicht etwas... Überraschend... Aber ich kann nicht behaupten, dass es mir nicht gefallen hat."
"Also dann hätten wir das. Wir fahren alle. Alle die nirgends anders was finden: bei Mauras Schwerster ist Platz.", fasste Mick zusammen.
"Maura nickte einmal, als sei ihr durch Micks Zusammenfassung erst klar geworden, was sie ihrer Schwester da eingebrockt hatte.

"Du pennst bei der Schwester. Wehe, du landest unter irgendeinem anderen Dach und machst wer weiß was mit wer weiß wem.", knurrte Stan leise.
Louis konnte da gar nichts dazu. Er hatte, noch während Mick gesprochen hatte eine weitere Nachricht an Harry geschrieben, mir der unverbindlichen Info, dass er am nächsten Wochenende wieder in London wäre.

Tja, Stan... Was denkt ihr von ihm.
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt