Kapitel 25 - Kopfschmerzen?

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"Oh...", machte Louis nach der umfangreichen Analyse überfordert.
"Ja... Du siehst den geilen Körper, hast geilen Sex und alles ist super. Den Rest merkste ja dann erst später... Naja, manchmal merkst du das auch sofort, aber du bist so mit dem Rest beschäftigt, dass es dir Wumpe ist. Und wenn es relevant wird, ist es ja eh schon zu spät", seufzte Zayn.
"Das hat Harry auch gesagt... Wenn man drüber nachdenkt, ist es schon zu spät."
"Guck einer an. Harry, der alte Philosoph.", witzelte Niall.
"Glaub mir, der kann ganz London mit gebrochenen Herzen pflastern.", sprach Zayn.
"Ja... Aber... Er macht einem keine Hoffnungen auf mehr. Also er... Lockt einen nicht mit falschen Versprechungen oder so. Er ist ehrlich."
"Es gibt eben Menschen, denen fliegen die Herzen anderer nur so zu.", seufzte Liam.
"Ja. Und das sind typischerweise Menschen, die mit so nem Fliegengriller durch die Luft wedeln, damit ihnen ja keins zu nahe kommt.", schnaubte Zayn.
"Die Dinger sind schrecklich.", merkte Liam an.
"Das war eine Metapher. Also, Louis, wie willst du jetzt vorgehen?"
"Äh?"
"Unglücklich Verliebte halten zusammen. Mein Harry heißt aktuell Mirco. Willst du dich jetzt an Harry halten? Sextechnisch?"
"Äh... Es ist nicht so, als würde an meiner Gartentür ein Haufen Männer herum lungern, die daran etwas ändern wollten.", erklärte Louis einfach Mal. Er sah schließlich nicht so aus wie Zayn oder Liam.

"Du glaubst du hast keine Alternativen!?", platzte es aus Zayn empört heraus.
"Zayn, Zayn, Zayn. Für Louis ist das alles neu. Behutsam bitte.", intervenierte Niall, der vorher auch schon immer den Mund aufgemacht hatte, aber dann wieder geschlossen hatte, anstatt zu reden.

"Also aufpassen: Du bist jung und siehst gut aus. Lass uns in einen Club gehen und du wirst sehen, dass du Dösbaddel nicht in deinem Garten suchen solltest."
"Oh. Meinst du?"
"Schätzchen, von mir aus können wir direkt in Nialls Schlafzimmer gehen und Jatata machen. Können auch Liam noch mitnehmen. Niall? Du auch?"
"Das ist so geil. Ihr so: wer will nochmal? Wer hat noch nicht? Und in meiner Welt immer alle so: sowas kannst du doch nicht so platt fragen."
"Es heißt doch, Männer denken immer nur an das Eine? Da ist es praktisch als Mann Sex mit Männern zu wollen.", witzelte Zayn.
"Ich glaube, das ist ein gesellschaftliches Problem. Ich glaube, Frauen wird ihre Sexualität immer noch ein Stück weit abgesprochen. Also, dass die auch mal einfach wollen. Das hat so eine interessante Geschichte. Das muss ich euch einfach erzählen. Hat mir letztens eine Kundin erzählt. Also: Zu Beginn der Renaissance behandelte man psychische "Erkrankungen" von Frauen mit Dildos. Dazu gehörten nach damaliger Auffassung erotische Fantasien, Nymphomanie, Melancholie, Nervosität, Zustände der Verwirrung, Atemnot, Blässe und Schlaflosigkeit."
"Also alles?", fragte Zayn verstört.
"Quasi. Das wurde alles mit Orgasmen behandelt. Im 19. Jahrhundert rätselte man über die "weibliche Hysterie". Man ging davon aus, es sei eine Erkrankung der Gebärmutter und löse dieses "Verrücktwerden" aus. Man erfand quasi die erste Dildo-Maschine. Frau auf den Tisch. Gerät an. Nach spätestens zehn Minuten ein Orgasmus und Ruhe war."
"Arme Frau...", murmelte Liam und auch Louis murmelte was: "Die haben sich da bestimmt nicht freiwillig hingelegt.."
"Ja... Selbst als die ersten Vibratoren auf den Markt kamen, wurden sie damit beworben, dass sie medizinische Hilfsmittel seien und zur Linderung von Kopf- und Nervenschmerzen konzipiert wären. Bis in die 20er Jahre hieß es noch, sie sollten Verspannungen lösen, Hysterie vorbeugen und die Schönheit und Jugend der Ehefrau erhalten. Ich habe darüber jetzt keine Studien parat, aber ich denke die Istrumentalisierung weiblicher Lust hat- alles klar?", fragte Niall plötzlich.
"Ja... Wir sind halt nur schwul. Aber erzähl ruhig weiter."
"Also die Instrumentalisierung weiblicher Lust und die gleichzeitige Behandlung dieser führt zusammen mit dem gesellschaftlichen Bild der Frau zu einer Zerrissenheit. Frauen werden ein Stück weit sexuelle Bedürfnisse abgeschrieben. Aber auf der anderen Seite gelten sie, bei manchen immernoch, als zickig, wenn sie nicht wollen. Ich glaube, dass wir uns gesellschaftlich dahin wandeln müssen, dass wir unabhängig vom Geschlecht offen mit der Sexualität und Lust umgehen müssen, oder?"
"Ja. Bin ich auch für.", erklärte Louis einfach Mal und empfand tiefstes Mitleid für die Frauen früher.

"Wobei es schon auch ein bisschen lustig ist, dass Kopfschmerzen damals mit nem Orgasmus behandelt wurden und heute ist das so ein Grund, keinen Sex zu wollen.", amüsierte sich Zayn einen Augenblick später.
"Nun ja. Sex heißt ja nicht zwangsweise Orgasmus und wenn man weiß, dass man den nicht zu erwarten hat....", meinte Liam.
"Moooment. Soll das heißen, dass...", Niall bewegte sich gedanklich direkt auf eine Sinnkrise zu.

"Er überlegt jetzt, ob deine Partnerinnen Orgasmen hatten, oder?... What did Cinderella said, when she comes to the ball?", fragte Zayn.
"Keine Ahnung?"
"Grrngggh", machte Zayn erstickt.
"Bor, Zayn!", schimpfte Liam.
"Das war lustig.", meinte Niall und erzählte: "Übrigens die Geschichte der Ballfrisuren hat auch eine krasse Wandlung durchgemacht. Man meint, die sehen immer gleich aus. Aber weit gefehlt. Entscheidend ist die Höhe der Frisur und.. "
Niall quatschte weiter und Louis beobachtete, wie Liam Zayn bewundernd ansah, der sich selbst auf die Schulter klopfte. Immerhin hatte er Nialls Sinnkrise offenbar effektiv angewendet. Louis überlegte, was Niall wohl arbeitete, wo man etwas über solche Schauergeschichten der Medizin hörte... Und offensichtlich über die Geschichte und die gesellschaftlichen Bedeutungen von Ballfrisuren.

"Man kann es sich aber einfach nicht aussuchen. In wen man sich verliebt, meine ich.", kam Liam irgendwann auf das ursprüngliche Thema zurück.
"Nein. Kann man nicht. Weil der Verstand das nicht entscheidet. Was aber gut ist.", überlegte Niall, der eben noch über die Vorteile von Handtaschen gegenüber Rucksäcken philosophiert hatte.

"Echt?", fragte Zayn nicht überzeugt.
"Ja. Denn der Verstand würde nach bestimmten Kategorien gucken: gutes Aussehen, viel Geld, guter Beruf usw."
"Und dann? Würden wir alle leer ausgehen oder was?", fragte Zayn und Louis betrachtete ungläubig dessen göttlichen Körper.

"Möglich. Aber... Dann würden wir einen einfachen Kandidaten wählen. Keinen komplizierten."
"Das wäre himmlisch."
"Dann würden wir auf dem Teppich bleiben. Nicht an etwas Hängen, was wenig Aussicht auf Erfolg bietet und würden nicht höher reichen. Dann würden die Harrys und Mircos dieser Welt allein bleiben."
"Hätten sie verdient...", grummelte Zayn. "Aber vielleicht fliegen ihnen die Herzen zu und sie wehren sie mit Fliegengrillern ab, weil sie ein Bestimmtes wollen?"
"Niall, du Hornochse! Jetzt mach dem Mäuschen doch nicht genau solche Hoffnungen. Wären wir in einem Disneyfilm würden hier noch ein paar Rehe chillen und wir alle singen."
"Ist schon gut. Ich weiß, dass das hier kein Film ist und Harry kein Prinz... Aber .. vielleicht will ich eben keinen Prinzen... Harry hat gesagt, ich soll mich nicht in ihn verlieben, weil er schlecht für mich ist. Dunkelheit.", seufzte Louis.
"Ja. Und du bist ein kleiner Leuchtestern.", nickte Zayn.
"... Und wo sieht man so einen kleinen Leuchtestern besser, als in der tiefsten Dunkelheit?", fragte Liam.

Tja, Louis das Glühwürmchen...
Bevor wieder irgendwas kommt: Nichts in einer meiner Storys ist antifeministisch oder als Misogynie zu verstehen. Die Geschichte der Sextoys habe ich mir nicht ausgedacht. Also bitte auch nicht irgendwie so auslegen. Danke.
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt