Kapitel 29 - Wenn du es weißt

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Das folgende Wochenende verbrachte Louis komplett zu Hause und arbeitete komplett im Laden oder Pub, oder traf sich mit Stan und den anderen. Nebenbei grübelte er, wie er es schaffen könnte, am nächsten Wochenende wieder nach London zu reisen. Möglichst ohne, dass ihm dafür jemand den Kopf abreißen wollen würde. Er brauchte also etwas Solides. Und um Stan nicht völlig verrückt zu machen etwas Harry-freies. Nun könnte er ja erzählen, dass er noch drei andere Leute kennengelernt hatte. Aber er glaubte, dass Stan ihn dann irgendwie doch noch bei seinen Eltern verpfeifen würde, weil der das dann in eine völlig andere Richtung deuten würde.
Über das komplette, nun inzwischen vergangene, Wochenende war ihm keine Lösung für sein Problem eingefallen, sodass er am Montagmorgen Recht frustriert und unmotiviert in der Schule saß. Und das eben nicht nur, weil einfach Montag war.

"Hey. Alles klar?", fragte Maura und sah ihn an, während sie mit einem Radiergummi herum spielte.
"Jaaa...", sprach Louis gedehnt.
"Hast du inzwischen die Wirkung deiner neuen Kleidung getestet?", traute sie sich dann doch leise zu fragen.
"Nein. Leider nicht. Ich würde gern. Aber  ja..."
"Was denn?"
"Ich bin theoretisch am Wochenende nach London eingeladen. Von Niall und noch zwei Freunden. Sie wollen mir in London zeigen, wo man so hingehen kann..."
"Wo man so hingehen kann?", fragte Maura mit hochgezogenen Augenbrauen.
"Ja... Du weißt schon..  als Mann wenn man... Naja..."
"Wenn man Sex mit Männern möchte?"
"Psssst!"
"Was denn?"
"Wenn das einer hört... Außerdem nicht nur das. Man kann ja auch zusammen feiern.."
"Du hast das für dich aber inzwischen schon..  naja..."
"Was?"
"Du bist dir deiner Orientierung bewusst?"
"Welcher Orientierung?"
"Ach du Schreck. Ich komme nachher Mal bei dir vorbei, okay?", fragte sie dann.
"Äh... Ja klar. Kannst du gern machen."

-

So landeten sie schließlich am Nachmittag in Louis' Zimmer.
"Also, deine Orientierung? Dass du auf Männer stehst? Oder fühlst du dich unwohl irgendwie?"
"Äh... Ich weiß ja gar nicht ob..."
"Schätzchen, deine Sehnsucht nach dem Nachbarn meiner Schwester und das Glanzhöschen und die Schlüppis unter deinem Bett in der schwarzen Tasche sagen was anderes.", erklärte Maura trocken.
"Naja, aber ist das gleich die ganze Orientierung?", fragte Louis ausweichend. Das war tatsächlich etwas, womit er sich gedanklich mal so gar nicht beschäftigt hatte. Er war halt offen?

"Du liebst aber schon Harry, oder?"
Zack. Schönstes Tomatenrot.

"Hihi. Andere würden bei den Klamotten rot anlaufen. Nicht bei der Frage, wen sie lieben", witzelte Maura.
"Die Klamotten kann man ausziehen... Gefühle nicht...", murmelte Louis.
"Ja. Das stimmt wohl.", nickte Maura und betrachtete Louis.

"Weißt du... Ich glaube, ohne den Abend, als ich Harry kennengelernt habe, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, gegenüber einem Mann so empfinden zu können. Also ich hab da vorher keine Tendenzen gemerkt. Ich hab nicht... Keine Ahnung..  Stan angeguckt und gedacht *rrrr*...  Das war nur Harry. Dann auf dieser Party mit Harry und den anderen... Es war halt sehr..  intensiv..  und ich mochte das... Aber ohne Harry hätte ich auch das nicht ausprobiert. Also... Auf der anderen Seite fällt mir spontan keine Frau ein, die auch nur ansatzweise das in mir auslösen könnte, was Harry macht, wenn er nur atmet... Vielleicht war ich bisher auch gedanklich einfach nicht so weit... Und vielleicht-"
"Louis?"
"Hm?"
"Wenn du es weißt, dann weißt du es.", lächelte sie sanft.

Louis sah sie kurz irritiert an. Er wusste es ja eben nicht. War er bi? War er schwul? Hetero konnte er ausschließen. Das hatte er verstanden.

"Du musst dich nicht labeln. Aber.. schäm dich nicht, okay?"
"Es ist nicht schämen..  es ist einfach.. keine Ahnung. Du weißt es und Stan weiß es und der hat an sich auf die Sache selbst ja positiv reagiert. Aber.. andere wären da bestimmt nicht so cool mit. Und... Die Verlockung unauffällig zu sein, ist halt sehr groß. Und unauffällig wäre halt..  naja.  Ich und eine Frau."
"Aber willst du das denn?"
"Äh..  keine Ahnung. Rätst du mir davon ab?"
"Nein. Ich finde, es ist am Besten, wenn man man selbst ist. Und wenn du Männer magst, ist das okay. Mache ich auch. Aber es sollte genau so okay sein, wenn ich Frauen mögen würde. Oder du Frauen. Oder wir beide beides oder beide nichts. An sich ist das völlig egal, so lange man selbst kein sexuelles Interesse an einer Person hat."
"Das sagst du..."
"Ja, tue ich. Aber ich bin mir sicher, dass ich mir der Meinung nicht allein bin."
"Hier wäre ich mir damit nicht so sicher."
"Du hast doch selbst gesagt, dass Stan mir der Sache an sich cool ist?"
"Ja... Aber ich weiß nicht, inwiefern seine Vorstellungen mit der Realität überein stimmen."
"Wie jetzt?"
"Stan sieht mich mit einem netten Typen Händchen halten. Das ist okay..."
"Ah, aber du magst lieber Orgien feiern. Ja guuut..."
"Das war halt schon sehr... Intensiv... Und dieses Gefühl, dass er dabei die ganze Zeit auf mich aufgepasst hat.. und... Weißt du... Harry und Stans Vorstellung. Das passt nicht übereinander."
"Er muss ja auch nicht mit Stans Vorstellung zusammen passen, sondern mit deiner. Tut er das?"
"Hm... Vor ihm hatte ich keine Vorstellungen..  und seit dem... Ist alles, was ich mir vorstellen kann er."
"Wenn du es weißt, weißt du es.."
"Ja."
"Du willst dich mit Niall und den anderen Typen treffen, aber du hoffst auch ihn zu sehen?"
Louis nickte. Wieder eine Spur mehr Gesichtsfarbe.

"Okay.", lächelte Maura.
"Hm?"
"Dein Problem ist, dass deine Eltern dich vermutlich nicht einfach so wieder nach London lassen?"
"Ja... also sie verbieten es auch nicht. Aber man sieht ihnen halt an, dass sie das so richtig kacke finden.."
"Okay. Lass uns zusammen mit deiner Mutter reden."

-

"Mum? Ich würde am Wochenende gern nach London fahren. Wäre Sonntag Nachmittag zurück...", fiel Louis im Lager direkt mit der Tür ins Haus.

Johannah richtete sich auf, wischte sich die Haare aus dem Gesicht und fragte: "Muss das denn schon wieder sein? Findest du das nicht aktuell auch ein wenig viel?"
"Äh... Nein, kann ich nicht sagen..."
"Louis... Ich weiß nicht, ob dir diese Person da gut tut, wenn du wegen ihr alles Stehen und Liegen lässt und die Schule schwänzt. Meinst du nicht, ein bisschen Pause täte dir gut?"
"Nein... Also ich... "
"Eigentlich wollen wir zusammen nach London. Es wäre toll, wenn das klappen würde.", lächelte Maura.
"Oh.. äh..  okay...", stammelte Johanna überrumpelt. Damit hätte sie jetzt Mal so gar nicht gerechnet.
"Danke. Ich hab dich lieb.", umarmte Louis seine Mutter kurz, zog Maura dann wieder in sein Zimmer und sah sie verwirrt an.

"Keine Sorge. Ich bin dann einfach bei meiner Schwester. Dann fällt nichts auf. Weder deine Eltern noch Stan können so meckern."
"Aber... Wieso...?"
"Hey, wir sind Freunde. Dafür sind Freunde doch da. Und jetzt schreib, dass du kommst.", grinste Maura.

Tja... So kanns gehen.
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

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