Kapitel 37 - Von Liebe und Sex

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Louis war davon ausgegangen, Harry an diesem Tag nicht mehr zu Gesicht zu bekommen. Und im Nachhinein betrachtet, wäre ihm das vielleicht sogar lieber gewesen.
Er hatte mit Niall in seiner nun stylisch ecru-farbenen Küche gefrühstückt, hatte sich alles Mögliche angehört, was Niall eben so erzählte und hatte mit diesem noch im nun Irish greenen Wohnzimmer gesessen, bevor es nun langsam Zeit war, sich auf den Weg zu machen. Maura hätte ihm geschrieben, dass sie nach einem Brunch in einem anderen Stadtteil direkt zum Bahnhof käme.

So trat Louis gefolgt von Niall in den Hausflur. Letzterer wollte ihn unbedingt bis zum Gleis bringen und Louis fand das unfassbar lieb von diesem. Besonders aber wollte Niall unbedingt noch seine Geschichte zu Ende erzählen. Es hatte irgendwas mit Bobs Crazy Daisy Bar in Calella de la Costa in Spanien zu tun und damit, dass er an der Bar festgeklebt hatte. Viel weiter war er noch nicht, aber bei Niall konnte es eben dauern, bis er zum Punkt kam.

Und dann stand Harry da. Im Hausflur.  Und war natürlich nicht allein. Er presste einen süßen Typen zwischen den Wohnungstüren gegen die Wand und berieb mit diesem im höchsten Maße Speichelaustausch.
Louis fragte sich, ob an dem Spruch "dumm fickt gut" wohl was dran war. Also grundsätzlich empfand er das als großen Quatsch. Aber wenn man in seiner Freizeit nur fickbarem Material hinterher jagte, hatte man im Umkehrschluss wenig Zeit für andere Dinge... Oder?

Kurz starrte Louis die beiden an. Wieder kroch diese Wut in seinem Bauch hoch. Wollte Harry ihn vergraulen? Falls ja, wieso und wozu? Wollte er unbedingt zuhören, wie er Louis' Herz zerbrach? Tat er das überhaupt? Nicht so ganz. Louis hatte eher das Gefühl, auf eine gewisse Weise abzustumpfen. Es hatte für ihn diese Vorstellung von Liebe gegeben, die einem überall gezeigt wurde: zwei Menschen, die sich nur gegenseitig begehrten, lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Im Fall von Disney-Filmen sangen die zwischendurch noch hin und wieder Mal ein Lied. Bei skandinavischen Filmen regnete es viel und aus dem nichts erklang Klaviermusik. Louis' Eltern lebten nach diesem Modell. Also ohne singen und Klaviermusik. Aber Regen! Regen hatten sie reichlich. Und irgendwie hatte Louis immer gedacht, dass das wohl Liebe war. Aber dank seiner Liebe zu Harry hatte er sich davon ja Recht schnell verabschieden können. Seine Eltern würden sich nicht einfach Mal zu einer Orgie schleppen und sowas. Dafür hatten die ja auch gar keine Zeit. Schon klar, Louis und besonders seine Geschwister waren nicht vom Himmel gefallen. Er wünschte seinen Eltern, dass sie noch regelmäßig miteinander schliefen und so. Und er wünschte sich, dass die das weiter so im Verborgenen taten, dass er dacon von nichts mitbekam.... Jedenfalls... Das Ding war: Louis hatte den Sex mit Liam und Zayn sehr genossen. Es war schön und geil gewesen. Beide waren tolle Liebhaber und Louis hatte sich total fallen lassen können. Aber das hatte absolut gar nichts mit seiner Liebe zu Harry zu tun. Er liebte den nicht mehr oder weniger, nur weil er mit Liam und Zayn durch Nialls Gästebett geturnt war. Er hatte das unabhängig von Harry genossen. Das war für ihn definitiv eine beachtliche Erkenntnis.

Gestern Nacht hatte er ja viel Zeit wach verbracht und darüber nachgedacht. Körperliche Zuwendung und Liebe mussten nicht Hand in Hand gehen für ihn. Liebe machte Sex besser. Das glaubte er schon. Einfach weil diese Sehnsucht nach dieser einen Person da war und in einem Feuerwerke explodierten wenn man dieser einen Person so nah kam. Das war Sex mit Glücksgefühl.
Es machte aber den Sex ohne Liebe nicht schlechter. Sex mit Liebe war eben Sex mit Bonbon drauf. Oder so.

Aber das hatte er alles erst durch Harry gelernt. Vorher hätte er vielleicht das Gegenteil behauptet. Keine Ahnung. Alle hatten ihn ja immer als Spätzünder betrachtet. Er hatte vorher nie so gefühlt, wie er für Harry fühlte.
Sex musste nichts mit Liebe zu tun haben. Es konnte auch einfach eine sehr schöne Freizeitaktivität sein. Auch mit anderen. Sex ließ einen gut fühlen und festigte Beziehungen. Er fühlte schon eine gewisse Verbundenheit mit Zayn und Liam, weil sie in ihrer aufkeimenden Freundschaft miteinander geschlafen hatten. Das war etwas Schönes, fand Louis.
Wie wäre es bei einem Fremden? Den er rein aus dem Zweck um sich haben würde, um mit dem Sex zu haben? Den er danach vielleicht nie wieder sehen würde? Das hatte Louis noch nicht wirklich gehabt. Bei der Orgie mit Harry war er berauscht gewesen und da stand das "mit Harry" für ihn total im Mittelpunkt.

Aber Louis glaubte, auch Sex mit einem Fremden musste nicht weniger befriedigend sein, nur weil man sich nicht kannte. Er hatte darüber nachgedacht sich Toys zu kaufen. Weil er das Gefühl von etwas in seinem Po unglaublich geil fand. Und wenn ihn dann zu Hause in seinem Zimmer oder unter der Dusche die Lust überkam, dann reichten ihm seine Finger einfach nicht. Aber gleichzeitig hatte er total Schiss, dass seine Mutter in das Paket gucken könnte, oder dass irgendeiner zu Hause diese Toys finden könnte. Maura zu fragen, ob sie sowas an ihre Adresse schicken könnten traute Louis sich mal sowas von überhaupt nicht.

Käme nun da ein potenter schwuler und für alle anderen unsichtbarer Mann vorbei, würde Louis dem definitiv mit nacktem Hintern entgegen springen. Okay. Das war schon eine seltsame Vorstellung... Trotzdem.

Mit all diesen Gedanken im Hinterkopf starrte er also auf die Szenerie vor sich. Es machte was mit ihm. Aber er überlegte was genau. Er sah sich in Konkurrenz zu dem Typen, der wie ein Poster an der Wand hing. Weil Louis Harry nicht so hatte, wie er ihn gern hätte. Würde Harry ihn lieben und sie wären zusammen... Dann wäre das da einfach nur Sex. Aber so... War es eben möglichweise mehr, als Louis mit Harry hatte. Und das war etwas, was Louis nicht wollte.
Louis überlegte ein bisschen, ob andere Menschen sich wohl auch solche Gedanken machten und ob sie seine nachvollziehen könnten.

Zuerst überlegte Louis, ob er an denen vorbei gehen sollte, als seien sie nur ein unförmiger Schirmständer oder sowas. Aber dann entschied er sich um. Nicht er. Sein Knöchel. Höhere Gewalt. Schicksal. Denn Louis knickte leicht um und stolperte gegen Harrys Rücken.

"Oh.", machte er.
Harry drehte sich halb zu ihm herum und grinste in fies an.

"Na.... Tschuldige, hab deinen Namen vergessen. Willste etwa unbedingt mitmachen?"
Louis schluckte einmal und betete, dass er nicht rot anlief. Er wollte so gerne taff rüber kommen.

"Nee.... Wie heißt du nochmal? Ihr steht hier nur echt im Weg. Wie wär's, wenn ihr drinnen weiter macht?", fragte er und Louis hörte Niall hinter sich überrascht aufkeuchen.

Na, was war das denn?
Bis dann.
Viele Grüße ^⁠_⁠^

Innocent - Wird fortgeführt auf StorybanWo Geschichten leben. Entdecke jetzt